Ich hätte mir dort eins kaufen können (was aber teuer gewesen wäre) oder mein Mountainbike einfach vorab hinschicken. (Doch mir gefiel der Gedanke nicht, dass es dort - weit weg von mir - irgendwo lagert, wo ich es erstmal abholen müsste).
Daher wollte ich es von Anfang an gerne mit mir führen, aber ohne die 140 Euro Zusatzgebühr bezahlen zu müssen, wenn es geht.
Die Dame im Reisebüro war auch sehr bemüht mich zufrieden zu stellen. Sie telefonierte viel mit Emirates und gab mir dann Bescheid, ich dürfte mein Rad ohne Zusatzkosten aufgeben, wenn es mir gelänge, es in die 30 kg Freigepäck zu integrieren... Klang doch nicht schlecht.
Nur hatte die Sache einen Haken:
Es war schlicht und ergreifend zu schwer! Wahrscheinlich müsste ich schon Übergepäck zahlen, selbst wenn ich ohne weitere Reisetaschen nach Japan fliegen würde.
Diese Vorstellung war mir nicht angenehm und so erkundigte ich mich nach weiteren Alternativen...
An einem schönen Herbstwochenende machte ich mit meinem Vater eine Radtour zu meiner Tante. Sie wohnt in Biberach in einem kleinen Holzhaus, ohne elektrisches Licht, Fernsehen und was der modere Mensch sonst noch bevorzugt.
Außerdem hat sie einen Faibel für alte Klappräder. Sie hatte mit einem solchen schon eine Tour über die Alpen bis nach Griechenland gemacht, daher kannte ich ihren Vorzug bereits, was Stabilität und Ausdauer angeht.
Mit kommt es schließlich nicht auf Geschwindigkeit an - ich bin sowieso eher ein gemütlicher Mensch und habe zudem ein Jahr lang Zeit. Ein Radsportler könnte in ebendieser Zeitspanne fünfmal Japan rauf und runter fahren, wenn er Lust hätte. Mir reicht es einmal - aber gemächlich.
Ich will ja auch was von Land und Leuten sehen und innehalten - zur Ruhe kommen... und Kontakte knüpfen.
Da wäre schnelles Radeln nicht unbedingt förderlich. Ich denke mit 30 - 40 km pro Tag liege ich ganz gut. Selbst ohne Gangschaltung, 20"-Reifen, mittelmäßiger Kondition und all den Höhenmetern, für die Japan bekannt ist.
Im Kopf hatte ich also eigentlich schon meine Entscheidung gefasst: Ein Klapprad musste es sein. Aber keines dieser modernen filigranen Aludinger, die nicht einmal einen Gepäckträger haben! Ich wollte deutsche robuste Wertarbeit.
Selbst wenn es dadurch zwangsläufig schon 35 Jahre auf den Reifen hätte, so wäre dies doch eher ein Anzeichen von Langlebigkeit, Stabilität und Verlässlichkeit. Es wäre wohl kaum gefährdet, plötzlich auf halber Strecke unter mir zusammenzubrechen.
Meine Tante gab mir neben ihrem weitgereisten, betagten, flaschengrünen und extrem leichten Einmann-Zelt noch einen weiteren Hinweis mit auf den Heimweg, der mich sehr bestärkte: Je weniger von dem modernen, und daher komplexen Kram an einem Rad montiert ist, der auf langen und anspruchsvollen Reisen unweigerlich kaputt gehen kann, desto weniger Ärger hat man damit.
Vor allem, da es durch die fortschrittliche, komplizierte Technik immer schwieriger wird, Dinge selbst zu reparieren, wenn man sich damit zuvor nur selten bis gar nicht beschäftigt hat.
Ich bin gerade mal in der Lage einen Reifen aufzupumpen.
Also warum, ob meiner offensichtlichen Unkenntnis, das Schicksal herausfordern? Wenn ich, neben meiner persönlichen Sympathie für diese alten Drahteselchen, auch noch auf der sicheren Seite wäre, was mögliche Pannen anging, dann konnte mir das doch nur recht sein!
Die Suche nach einem Klapprad begann also. Aber irgendwie schien sich das Schicksal gegen mich verschworen zu haben!
Man könne fast meinen, alle Welt wäre auf einmal scharf auf Klappräder! Bei eBay gingen mangelhafte, verrostete und verbogene Mifas zu Preisen weg, die es mit denen von aktuellen, auf Briefmarkengröße komprimierbaren Falträdern aufnehmen konnten. Eine verdrehte Welt!
Wie sollte es bei diesen Voraussetzung möglich sein, mein Wunschrad zu erstehen ohne dabei das komplette Sparkonto für den Auslandsaufenthalt zu plündern?
Nach fast zwei Monaten vergeblicher Suche und gescheiterten Geboten schien meine Lage aussichtslos - würde ich wohl doch umschwenken und mein altes Rad per Post vorausschicken müssen?
Es schien mir nicht richtig gleich aufzugeben! Ich wollte mein Klapprad! Und ich wollte meinem Traum entsprechend damit gemütlich durch Japan zuckeln.
Meine Familie engagierte sich mustergültig für mich. Besonders mein Vater. Jeder Bekannte oder Kollege wurde auf das Thema sensiblisiert und hielt mit mir Ausschau.
Nun - endlich - ein paar weitere Misserfolge und Enttäuschungen später (die es aber wert waren!) steht es nun - ich glaube es noch kaum - einträchtig mit unseren anderen Rädern im Schuppen. Durch seine geringe Größe wirkt es fast wie ein Kälbchen im Kuhstall.
Gegen alle Erwartungen glückte meinem Paps noch das Unmögliche und er gewann eine Auktion bei eBay. Für sagenhaft günstige 50,- Euro darf ich nun ein wunderschönes, erstklassig erhaltenes, grünes 70er-Jahre Klapprad der Marke Jungherz mein Eigen nennen:
Es funkelt, als käme es gerade erst vom Fließband - hat aber dennoch die unverkennbaren kleinen, liebevollen Gebrauchsspuren eines gut gepflegten Reliktes aus alter Zeit, die einem Gegenstand erst das Leben und seinen individuellen Charakter einzuhauchen vermögen.
In meiner Planung kann ich nun viel konkreter werden. Ich muss einen erhöhten Gepäckträger für meine Fahrradtaschen basteln und konnte das Rad endlich wiegen (niedliche 15 kg - das heißt mir bleiben für persönliche Dinge wiederum 15 kg im Freigepäck und 7 kg Hangepäck - für ein ganzes Jahr mag das wenig wirken, aber ich darf nicht vergessen, dass ich das Zeug auch mit mir herumschleppen muss. Reduzieren wäre also ohnehin sinnvoll, wenn ich mir keinen Leistenbruch zuziehen will. Besonders bei den Bergen, an denen ich wohl werde schieben müssen, da mein kleiner Liebling keine Gangschaltung hat.)
Inzwischen habe ich schon meinen Hinflug (nach Chitose - Hokkaido) und meine erste Gastfamilie (und zugleich Arbeitgeber).
Die sind so goldig! Wir hatten schon Kontakt per Fax... sie haben drei kleine Kinder, um dich ich mich kümmern darf, einen Hund, Katzen, eine kleine Konditorei, ein paar Felder...
Der Traum schlechthin für jemanden der Kinder und Tiere liebt, Konditorin werden wollte und gern draußen ist!
Als nächstes kommt das Visum an die Reihe!
Davor habe ich noch ein wenig Bammel - hoffentlich bekomme ich es ohne Schwierigkeiten!
... ziemlich Fahrradlastig dieser Post. xD
Mata ne
Kira

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