Dienstag, 20. April 2010

Die ersten Wochen Teil 2

Da ich heute das grosse Glueck habe, den Vormittag ueber alleine zu sein (Ikkyou ist in der Schule und die restliche Familie ist mit der Neuseelaenderin, die seit zwei Tagen die kleine Huette mit mir teilt in Date) nutze ich diese Gelegenheit, um meinen Blog etwas auf Vordermann zu bringen.

Die Familie ist sehr nett und sie kuemmern sich ruehrend um mich. Auch wenn das bedeutet, dass einem die Kinder auf Schritt und Tritt folgen und ich seit zwei Wochen kaum mehr alleine war. Wir verbringen den ganzen Tag zusammen und Abends falle ich todmuede gegen neun ins Bett!
Seit zwei Tagen bin ich also auch dort nicht mehr allein, sondern lebe mit der Neuseelaenderin Jamie zusammen, die dort auch etwa zwei Wochen verbringen wird. Sie spricht allerdings fliessend Japanisch und daher hat sich mein Leben hier etwas veraendert.
Zuvor hat meine Gastmama Natsumi fuer mich in Englisch uebersetzt, aber nun reden sie alle so viel mit Jamie in Japanisch, dass sie dazu wohl keine Lust mehr hat. Und weil ich noch immer nicht wirklich viel von dieser Sprache verstehe, ist es manchmal ein wenig frustriernd, nicht mitlachen zu koennen und nur noch dabeizusitzen.

So nutze ich jede Gelegenheit, um Arbeiten draussen verrichten zu koennen. Ich habe schon einige Sachen ausprobiert und sie machen alle Spass. Vor allem das Fuettern der Laemmchen, die fuer ein paar Tage bei uns waren und das Spazierengehen mit der Huendin Lucky, die immer auf ihrer Hundehuette sitzt, als sei Snoopy ihr groesstes Vorbild.



















Aber es gibt auch anstrengendere Taetigkeiten: Ich habe schon Tonnen von Schnee geschippt, damit man in verschiedene Verschlaege kommen oder dort Holzscheite aufstapeln kann. Letzteres mache ich nun seit fast einer Woche. Die Familie hat naemlich den gesamten Holzvorrat eines Nachbarn bekommen und wir sind nun dabei sie nach und nach hierher zu karren und aufzustapeln... Ich hoffe, dass wir bald damit fertig sind.



















Ansonsten helfe ich viel im Haushalt: Abwasch, Waesche aufhaengen und abhaengen, putzen, Feuer fuer das Bad machen, usw.
Hier wird naemlich nur mit Holz geheizt, was die unglaubliche Menge an Stapelarbeit erklaert.
Strom gibt es zwar, aber die Familie moechte moeglichst oekonomisch leben. Daher ist auch mein kleines Reich jeden Abend bitterkalt, bis ich das Feuer im Ofen entfacht und mich in meinen Futon gekuschelt habe.

So ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ich mir in der zweiten Woche hier eine ordentliche Erkaeltung eingefangen habe, die ich trotz des guten Ingwertees von Natsumi noch immer nicht ganz ueberstanden habe. Das wird sich wohl auch noch eine Weile hinziehen, denn ich muss nach wie vor um sechs aufstehen, um Ikkyou fuer die Schule zu verabschieden, mit Lucky vor dem Fruehstueck spazieren zu gehen und dann meine Arbeit draussen zu erledigen. Und wenn ich drinnen bin, wollen die Kinder spielen. So komme ich kaum dazu mich zu erholen.

Was das Betreuen der Kinder angeht, so hatte ich es mir Schlimmer vorgestellt, aber weniger anstrengend. Sie wollen staendig unterhalten werden, auch wenn ich gerade draussen Arbeit zu verrichten habe. Dauernd sind sie am zanken, machen Bloedsinn und aergern ihre acht Monate alte Schwester... Richtige Rouwdies. Daher waren die ersten neuen Worte, die ich gelernt habe "abunai" (gefaehrlich), "dame" (lass das) und "yamete" (hoer auf)
Vor allem weil ich die Sprache noch nicht wirklich kann, ist es sehr ermuedend den Kleinen klarzumachen, was ich von ihnen will. Aber sonst kommen wir ganz gut miteinander aus, denke ich.

Doch auch, wenn es hier noch so familiaer und freundlich ist, so ist das Fehlen von Freiraum etwas, dass mit der Zeit sehr an den Nerven zehrt. Ich habe zwar meine eigene Huette, aber dorthin darf ich mich erst Abends zurueckziehen...
Deshalb hoffe ich , dass bald der Schnee schmilzt und es allgemein ein wenig waermer wird. Aber in jedem Fall werde ich gegen Ende April mein Fahrrad satteln und Hokkaido erkunden. :)

Soweit erstmal, was meinen Alltag hier angeht. :)

Mata ne
Kira

1 Kommentar:

  1. Hi Kira,
    schön von Dir zu hören!
    Ich sehe das Leben außerhalb der MPA kann ganz schön hart sein! Aber laß den Kopf nicht hängen, wir sind imn den Gedanken bei Dir und helfen Holz stapeln!
    Grüße aus Ludwigsburg
    JK

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