Donnerstag, 27. Mai 2010

Radtour nach Rishiri: 4. Tag 13.05.10

Am folgenden Tag regnete es nicht mehr. Es stuermte!

Ausser, dass ich mich gegen den starken Wind vorwaerts kaempfte, passierte auch nicht viel Aufregendes. Erstaunlicherweise kam ich trotzdem auf ca 80 km an diesem Tag. Dafuer war ich aber am Abend total erschoepft. (Naja, immerhin war ich auch von 5:00 Uhr Morgens bis 6:00 Uhr Abends unterwegs)

Conviniencestores fand ich immer unregelmaessiger. Oft vergingen Stunden, bis ich wieder einen sah. Vor allem gab es keinen 7eleven mehr, in dem ich haette Geld abheben koennen. (Es gibt verschiedenen Conbinis wie Lawson, 7eleven, oder Secomart, aber nur der oben genannte akzeptiert meine Kreditkarte)

Die Landschaft wurde auch sehr oede und bedrueckend, denn ich fuhr nun nicht laenger an der Kueste entlang, sondern durch sanfte Huegel. Diese erweckten aus der Ferne den Anschein, als seien sie mit weichem, trockenen Gras bewachsen, aus der Naehe jedoch konnte man erkennen, dass es sich mal wieder um den allgegenwaertigen Bambus handelte.
Dieses Gewaechs kann ich nicht unbedingt als meinen Freund bezeichnen. Es hat auch keinerlei Aehnlichkeit mit dem huebschen, langstaengeligen Zierbambus, der in so vielen Gaerten gerne als Sichtschutz gepflanzt wird. Nein, dieser ist klein, gedrungen, hat nur wenige, dafuer sehr breite Blaetter, die oft sehr vertrocknet wirken und waechst auf allem, was lange genug stillsteht. Wie ein Teppich breitet es sich ueber Kilometer aus und verdraengt alle kleineren Pflanzen. (Natsumi erzaehlte mir, um einen Ort Bambusfrei zu halten, muesse man ihn drei Jahre lang jaeten)
Und dieses Gewaechs macht staendig Geraeusche! Auch wenn kein Lueftchen weht, meint man ein menschliches Fluestern zu vernehmen. Fegt dagegen der Wind hindurch, klingt es, als schluegen sich grosse Tiere durchs Unterholz... Oft bin ich deshalb schon aus dem Schlaf geschreckt und lag lauschend da.

Gegen zwei Uhr ueberlegte ich mir ernsthaft, schon ein Nachtlager zu suchen, weil ich den zermuerbenden Wind so leid war. Deshalb folgte ich einem kleinen Pfad, der zu meiner Linken in den Wald, einen Abhang hinunter auf eine grosse Wiese fuehrte. Eigentlich war es perfekt: viel Platz, windstill (sehr wichtig), ausser Sichtweite und trotzdem in Naehe der Autobahn...
Aber dennoch fuehlte ich mich hier irgendwie unbehaglich. Zumal ich auf dem Pfad Hinterlassenschaften eines groesseren Tieres gefunden hatte, das wohl oefter dort vorbeizukommen pflegte.
So begab ich mich schweren Herzens zurueck auf die Strasse, um meinen Kampf mit dem Sturm wieder aufzunehmen. Doch es lohnte sich!

Nach etwa 5 km fuehrte die Strasse aus den Bambushuegeln hinaus zurueck an die Kueste, wo es mir sofort besser ging, obwohl der Wind sich hier (ungehindert von Baeumen und Buschwerk) fast verdoppelte. Ich kam auch endlich wieder an kleineren Doerfern vorbei. Die letzen lagen einige zig Kilometer zurueck. Der Abend brachte auch noch eine kleine Ueberraschung: Ich hatte gerade eine groessere Siedlung durchquert (in der mich eine Gruppe Jugendlicher angestarrt hatten, als haetten sie noch nie eine erschoepfte Auslaenderin hungrig eine Nudelsuppe verschlingen sehen), da klaerte sich der Himmel vom gewohnten bleigrau ueber hellgrau zu fast blau, die Sonne kam heraus und liess alles in ihrem goldenen Abendschein erstrahlen, waehrend ich durch saftige gruene Wiesen und Aecker fuhr.

In dieser herrlichen Stimmung fand ich auch meinen bisher schoensten Schlafplatz, auf dem ich mein Zelt aufschlug: Eine Erhebung, auf der eine weite gruene Wiese durch ein Waeldchen (mit dem unvermeidlichem Bambus als Bodenbewuchs) eingezaeunt wurde. In der Ferne konnte ich einen Bauernhof ausmachen, aber der war weit genug weg, als dass ich mit meiner kurzen Anwesenheit haette stoeren koennen. Hier verbrachte ich meine bisher erholsamste Nacht als Wildcamperin. Es war grossartig.




















... to be continued...

Mata ne
Kira

1 Kommentar:

  1. Wahnsinns Blog den du hier schreibst! Ich kann es kaum erwarten die nächsten Zeilen deiner Japanreise zu lesen. Weiter so :)

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