Sonntag, 23. Mai 2010

Radtour nach Rishiri: Erster Tag 10.05.10

Der Abschied von Claus und seiner huebschen Wohnung fiel sehr schwer. Zumal ich nicht wusste, wann mir ein Komfort und nette Gesellschaft wie hier wieder vergoennt sein wuerde...
Jedoch trug das sonnige und warme Wetter dazu bei, dass ich mich recht bald auch auf das freute, was nun vor mir lag. Auch dieser Teil meiner Reise wuerde seinen Reiz, seine Hochs und Tiefs haben. (Wobei fuer mich als Radfahrer die Hochs je eher die Tiefs waren und umgekehrt)
Recht bald, nachdem ich die Route 5, die aus dem Stadtzentrum fuert, hinter mir gelassen hatte und schon auf der 231 fuhr, die mich auch an die Kueste bringen wuerde, konnte man bereits den erhoehten Salzgehalt der in Luft ausmachen und ich wurde immer beschwingter. Noch heute wuerde ich das Meer sehen!

Natuerlich zog sich die Strecke durch die Stadt doch noch ein wenig hin, aber nachdem ich aus ihr heraus war, vergingen Zeit und Kilometer recht schnell. Solange man den Highway fuhr, war es auch nicht so bergig, obwohl ich auch dies ab und zu auf mich nahm, um schoenere Ausblicke und etwas Ruhe vor den schnell dahinbrausenden Autos zu haben.
Zunaechst war die Jueste noch nicht gut einsehbar. Die Promenade, auf der ich gerade entlang fuhr fuehrte nur durch duenige Landschaft mit hohem Gras, so dass man den Eindruck hatte, man befaende sich irgendwo in Nordeuropa (an der Ostsee vielleicht), nicht aber in Japan!




















Als ich mich dann jedoch zwangslaeufig zurueck auf die Autobahn begeben musste, wichen die Duenen sehr bald fantastischen Steilklippen, die mir den Blick auf das Meer nicht laenger vorenthielten. Anschliessend aenderte sich dieses Landschaftsbild kaum noch.























In der Post eines kleinen Oertchens versorgte ich mich mit neuen Briefmarken und bekam von dem Postmann sogar, der deshalb extra noch zweimal hinter mir her lief, noch ein kleines Handtuch fuer den Onsen und Suessigkeiten aus Okinawa geschenkt. Ich freute mich sehr, denn das Handtuch konnte ich sehr gut fuer kleinere Erfrischungen am Strassenrand gebrauchen und Essen ist ja sowieso immer gut...

Die Freundlichkeit des Postmannes kam mir als Aufmunterung ebenfalls entgegen, den kurz zuvor war mir auf der Autobahn die erste Panne wiederfahren. Das Reparieren an sich war nicht das Problem gewesen (fuers Erste hatte ich sowieso Ersatzschlaeuche dabei, denn das Flicken braucht immer etwas Zeit und das tat ich lieber Abends im Ruhe vor dem Zelt), nein, was mir Kummer bereitete, war der Verlust meiner kleinen Luftpumpe.














Ob verloren oder vielleicht in Sapporo entwendet... als ich den Reifen aufpumpen wollte, war sie jedenfalls nicht mehr an ihrem Platz. Da es sich hierbei auch um ein Geschenk (diesmal von meinem Vater) gehandelt hatte, war ich natuerlich ungluecklicher, als es ein solcher Gegenstand vielleicht wert gewesen waere. Noch dringender war allerdings das Problem, wie ich nun den Reifen gefuellt bekam. Es blieb mir nichts anderes uebrig, als mein Rad erneut zu beladen und es zu einer kleinen Gruppe von Farmhaeuschen zurueckzuschieben, wo hoffentlich jemand eine Luftpumpe besass.
Hier hatte ich jedoch sofort Glueck. Nachdem ich das erste Haus erreicht hatte, kam in ebendiesem Moment ein aelterer Farmer heraus, den ich auch gleich auf mein kleines Problem ansprach.
Klar koenne er mir helfen, meinte er und eilte auch schon davon. Ich ging mit meinem hinkenden Eselchen hinterher und gemeinsam machten wir es wieder strassentauglich. Allerdings war der gute Mann zu eifrig gewesen: Der Reifen war an einigen Stellen merkwuerdig ausgebeult und als ich gerade ein Geschenk als Dankeschoen zusammenstellte, machte es auf einmal laut und vernehmlich "Zzzzsssch" und der Reifen war wieder platt.
So baute ich ihn ein zweites Mal aus und sah, dass der Schlauch regelrecht geplatzt war. Ein unflickbarer Riss, fast eine Hand breit, klaffte im Gummi.
Ich begab mich mit dem Schlauch auf die Suche nach dem netten mann um zu fragen, ob ich seine Hilfe ein zweites Mal in Anspruch nehmen koenne. Er war ebenfalls betroffen und wollte sich nicht davon abbringen lassen, den alten Reifen mit dem kleinen Loch eigenhaendig zu flicken.
Beim Aufpumpen bremste ich ihn diesmal jedoch rechtzeitig, obwohl er es ungern einsah und lieber so lange weitergepumpt haette, bis der Reifen steinhart war. Ich erinnerte mich jedoch an die guten Ratschlaege meines Vaters und meines Kollegen, die mir beim Aufruesten meines Eselchens geholfen hatten und bestand darauf aufzuhoeren (Trotz sichtlich enttaeuschter Mine meines Retters, der auch noch zu nobel war, eines meiner Geschenke anzunehmen.)

Dies sollte auch nicht das einzige gute Ereignis fuer diesen Tag bleiben. Spaeter, es war schon fast Abend und ich machte erschoepft Rast, weil ich mich gerade durch mehrere Tunnel gequaelt hatte, in denen selbst ein kleines Auto klingt wie ein Jumbojet und man staendig glaubt, man befaende sich auf einer Landebahn, begegnete ich einem jungen Ehepaar aus Sapporo. Sie waren sehr interessiert und fragten mich bei einem Kaffee und Reisbaellchen, die sie mir spendiert hatten, fast eine halbe Stunde lang aus. Zum Abschied schenkten sie mir noch einen merkwuerdigen eingeschweissten Riegel, der aussah wie roher Teig mit Fruechten und beschloss ihn mir fuer ein fuerstliches Fruehstueck aufzusparen. (Natuerlich habe ich ihn vergessen und erst gegen Mittag gefunden und gegessen was ein Glueck war, denn er schmeckte statt suess nur nach furchtbar vielen Proteinen aus Krabbenfleisch oder Fisch)
Zumindest dieses Ehepaar nahm jedoch meine Dankesgaben an und gaben mir sogar ihre Telefonnummer. Ich solle sie anrufen, wenn ich wieder in Sapporo sei.





















Diese erste Nacht verbrachte ich unweit der Autobahn an einem kleinen Abhang, zu dem ich mich erst einmal durchs Unterholz schlagen musste. Ich schlief recht gut und wachte am naechsten Tag mit der Sonne um halb fuenf auf.

... to be continued...

Mata ne
Kira

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