Nicht nett von mir, dass ich dieses Thema bisher so unter den Tisch habe fallen lassen, wo ich doch immerhin fuer Kost und Logis arbeite.
Aus diesem Grund bekommt es nun einen ganzen Post fuer sich alleine:
Bei meiner Gastfamilie verwoehnte mich Natsumi tagtaeglich mit ihrem leckeren und abwechslungsreichen Essen, das eher vegetarisch gehalten war. (Wenn es mal Fleisch gab, dann Reh, denn ein Freund von ihnen ist Jaeger und muss dafuer sorgen, dass diese Tiere nicht zu zahlreich werden, denn in den letzten Jahren haben sie sich stark vermehrt.)
Fuer gewoehnlich gab es morgens gegen 8:00 Uhr Fruehstueck (asagohan) bestehend aus Misosuppe oder Fischbruehe mit wechselnder Einlage aus Tofu, frischem wilden Gemuese, Fisch, Moehren, Zwiebeln oder Pilzen aus dem Garten, dazu eine Schale Reis und zwei oder drei Platten mit verschiedenen anderen Beilagen; Pickels aus unterschiedlichen Pflanzen, gebratener Fisch (meistens Flunder), Omlette, Natto, Tempura (frittiertes Gemuese), Salate aus Kohl, Karotten oder Kartoffeln und vieles mehr. Dazu gab es Leitungswasser, am Abend jedoch auch mal selbstgebrautes Bier oder selbstgekelterten Rotwein von Takashi, Sake oder Pflaumenwein. :)
An manchen Tagen backte sie jedoch auch Brot, was im uebrigen toll schmeckt und es leicht mit unserem heimischen aufnehmen kann. (Es laesst sich sogar mit Butter bestreichen, ohne dass es zerbroeselt) Ab und zu gab es auch Pancakes - dicke Pfannkuchen mit Ahornsirup, Marmelade oder Honig. Das waren dann eher die westlicheren Tage, die mein Magen aber stets erfreuten.
Dinge, die wir nicht aufassen, wurden dann zum Mittagessen (hirugohan) gegen 12:00 Uhr erneut angeboten. Dieses gleicht in der Kombination dem Fruehstueck. Es gibt generell nichts, das nur Morgens, Mittags oder Abends gegessen wird, so wie bei uns. Sogar deftigere Gerichte wie Curryreis gab es am Morgen schon.
Zwischen Mittag- und dem Abendessen (yorugohan) um 18:00 Uhr gab es die "Oyatsu", die Snacktime um 15:00 Uhr. Sie war eigentlich nur eine kleine Erfrischung in der Pause und bestand entweder aus ein paar Keksen, Scones oder anderen selbstgebackenen Leckereien von Natsumi. Hatte sie hierzu mal keine Lust oder keine Zeit, reichte sie anstatt dessen ein paar Scheiben Obst (meistens Apfel oder Orange) oder japanische Suessigkeiten. Dazu gab es, wenn ich Glueck hatte, statt Leitungswasser auch mal frische Milch von der Nachbarfarm, Kraeutertee oder Saft.
Mit dem Japanischen Essen an sich habe ich eigentlich keine Probleme. Auch Fisch kann ich morgens essen.
Was ich dagegen gar nicht mag, ist Natto (gegorene Bohnen) und Umeboshi (sauer-salzig eingelegte Pflaumen).
Dabei spielten gerade die Umeboshi in der Japanischen Geschichte eine besondere Rolle, denn sie retteten in ihrer Eigenschaft als einiges Wuerzmittel fuer den sonst sehr geschmacklosen weissen Reis vielen Japanern im 2. Weltkrieg das Leben. Wie Natsumi mir erzaehlte gab es wohl in dieser Zeit nichts anderes, was die Bevoelkerung haette essen koennen und diese eingelegten Pflaumen sind in ihrem Geschmack tatsaechlich so intensiv, dass eine einzige ausreichte, um eine ganze Schale Reis interessanter zu machen.
Passenderweise erinnert die rote runde Pflaume auf dem weissen Reis auch sehr an die Japanische Flagge, was erklaert, warum dieses Gericht so populaer ist.
Was ich esse, wenn ich mit dem Rad auf Tour bin, ist natuerlich weitaus einseitiger und ziemlich langweilig. Obst (vorwiegend Aepfel und Bananen, einfach, weil sie sich lange halten und auf Vorrat gekauft werden koennen), Nuesse (um es ein bisschen gesuender zu machen und dem Koerper Energie zu geben), hin und wieder Fertiggerichte (um mal etwas Warmes in den Bauch zu bekommen) Muesli (wenn ich mir was Besonderes goennen will) und Reisbaellchen... Dazu Leitungswasser (weil kostenlos) oder mal Milch, die vom Muesli uebrig ist.
Ziemlich unspektakulaer.
Bei Claus in Sapporo dagegen sind wir Abends auch mal ins Restaurant gegangen, haben alle Sorten Nudelsuppen gegessen (Rahmen, Soba und aehnliches) oder versucht selber zu kochen (Spaghetti vorzugsweise, einfache Salate, Tempura (was in die Hose ging) oder Fertiggerichte)
Bei ihm habe ich vor allem meine Gelueste nach westlichem Essen befriedigt, zum Fruestueck Muesli, Marmeladenbrote und gekochte Eier gegessen und Kaffee oder Schwarztee mit Milch getrunken. :)
Ich hoffe, ich konnte mit diesem Post den Leserwunsch zur Genuege erfuellen...
Wenn es mal wieder ein Highlight in Sachen Essen geben sollte, werde ich versuchen, es innerhalb des entsprechenden Textes einzubinden.
Mata ne
Kira

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