Sonntag, 18. Juli 2010

Nichts ist unmoeglich... Kushiro

Wie geplant brach ich also gen Osten auf.

Meine erste Station sollte der Shikotsu-See sein, wo ich eine Nacht auf einem Campingplatz verbringen wollte. Leider war mein Zeitplan doch recht eng, wenn ich rechtzeitig Kushiro erreichen wollte, da ich durch meine neue Gastfamilie terminlich gebunden war.

Doch wie ich es inzwischen gewohnt bin, kam mal wieder alles ganz anders.

Auf der Fahrt zum See, die nur einen halben Tag in Anspruch nahm, schien die Sonne, aber ab und zu regnete es auch ein bisschen. So war es immerhin nicht zu heiss. Durch mein frisch in Sapporo erworbenes Allwetterradio aus blauem Plastik, das zur Zeit mein ganzer Stolz ist, wurde mir die Zeit angenehm verkuerzt. Besonders, als ich einen Sender fand, auf dem sie auch viel westliche Musik spielten.

Am See angekommen, geriet ich, was mein Vorhaben anging, hier eine Nacht zu verbringen, sehr ins Wanken...
Eine Nacht war bei Weitem zu wenig, denn der See war einfach wunderschoen!

Das kristallklare Wasser, fuer das er auf der Rangliste der saubersten Seen der Erde nur mit dem Baikalsee konkurriert, glitzerte in der Sonne und waere es nicht so kalt gewesen, haette mich nichts gehalten sofort hineinzuspringen.



So baute ich aber erstmal mein Zelt auf und genoss es, den Tag einfach verstreichen zu lassen, ohne etwas Besonderes zu unternehmen. Ich hatte genug damit zu tun, die Aussicht zu geniessen!


Abends schlenderte ich zum nahegelegenen Rider House (eine guenstige, meist spartanisch eingerichtete Unterkunft fuer Reisende per Rad oder Motorrad) und durfte dort sogar ein bisschen WM gucken, waehrend ich mich mit dem Besitzer unterhielt.

Der naechste Tag brachte Gewissheit: Hier wuerde ich gewiss nicht nur eine Nacht bleiben!
Denn es war mal wieder ein herrlicher Sommertag und es war unmoeglich dieses Paradies schon zu verlassen.

In der Naehe gab es einen kleinen Onsen, der in einem ebenfalls wunderschoenen Park lag. Leider war es keine richtige heisse Quelle und deshalb mit 700 Yen fuer lauwarmes Wasser wirklich Wucher. Aber zumindest konnte ich mich richtig waschen und lange im Park spazieren gehen, dort auf einer Bank sitzend lesen und versuchen, die Eile zu vergessen, die ich mir mit meinem Reiseziel auferlegt hatte.

Mittags fuhr ich zum Campingplatz zurueck, der sogar ueber ein paar kleine Laeden verfuegte, in denen ich mich am Abend mit Rahmen und Getraenken versorgte. Dort machte ich auch eine neue Anschaffung: einen winzigen blauen Klappstuhl, der meinem transportablen Zuhause einen fast luxerioesen Anstrich verlieh.

In der Nacht begann es leider zu regnen und obwohl ich das Zelt nach bestem Wissen ipraegniert hatte, bildete sich nach und nach am Fussende wieder eine kleine Wasserlache. Das bemerkte ich jedoch erst am naechsten Morgen und da war es nicht weiter tragisch, denn es gab gleich neben meinem Zelt einen Unterstand, wo man seinen Abwasch erledigen konnte. Ich missbrauchte jedoch den Tisch als Trockengestell und breitete dort Luftmatratze und Schlafsack aus.


Da es noch immer schuettete, das Zelt fuer einen laengeren Aufenthalt zu eng war und ich etwas unter Klaustrophobie leide, leistete ich meinen trocknenden Habseligkeiten Gesellschaft und vertrieb mir den Tag, indem ich auf dem Tisch sitzend zum Gedudel meines Radios strickte und las.


So verbrachte ich also einen dritten Tag am Shikotsuko, denn auf eine erneute Fahrt im Regen, wo es hier doch weitaus gemuetlicher und vor allem trocken war, hatte ich keine Lust.

Komischerweise hatten allerdings alle Laeden wegen des Regens geschlossen... Als haetten Menschen bei schlechtem Wetter keinen Hunger!

Jedoch hatte ich mal wieder Glueck und die nette Restaurantbesitzerin, die ueber ihrem Geschaeft wohnte und die ich gegen Mittag erspaehte, erbarmte sich und kochte mir eine grosse Schuessel Rahmen... das schmeckte natuerlich gleich nochmal so gut.

Vom Campingplatzbesitzer bekam ich spaeter sogar ein paar Heringe geschenkt, damit ich mein Zelt besser spannen und dadurch vielleicht wasserresistenter machen konnte. Ausserdem sorgte er sich um mich, weil ich nichts zu essen kaufen konnte und drueckte mir ein Fertiggericht in die Hand, das ich mir allerdings leider nicht zubereiten konnte, da ich dafuer einen Gaskocher benoetigt haette... Aber der Gedanke ist es, der zaehlt und ich war sehr geruehrt ueber soviel Fuersorge.

Am naechsten Morgen hatte der Regen soweit nachgelassen, dass ich einen Aufbruch wagte und weiter nach Chitose fuhr, wo ich beinahe drei Monate zuvor mit dem Flugzeug angekommen war. Wie schnell doch die Zeit vergeht!

Unterwegs geriet ich immer wieder in Regenschauer und als ich durchnaesst in Chitose ankam und feststellte, dass der eingezeichnete Campingplatz eigentlich nur ein Grillplatz ist, es aber in der Naehe zufaellig ein Rider House gab, brauchte ich nicht lange um mich diesmal gleich fuer die komfortablere Loesung zu entscheiden.

Die Hausbesitzerin war eine sehr goldige und lustige Frau, die mich sehr bemutterte.
Als ich wieder halbwegs trocken und erneut in Erkundungslaune war, spazierte ich etwas durch die verregnete Stadt und bummelte, ohne auf Rad und Gepaeck aufpassen zu muessen, die nun sicher untergebracht waren, durch alle Geschaefte, die mich ansprachen.


Nachmittags gab es eine kleine Ueberraschung. Eine grosse Radlerguppe teils aus Japan, teils aus Australien, naechtigte ebenfalls in meiner Unterkunft. Sie luden mich ein, ihnen Gesellschaft zu leisten und wir hatten einen sehr lustigen Abend. Wir tauschten Informationen ueber unsere Touren, Plaene und Drahtesel aus, lachten viel und gegen Ende wurde ich von mehreren gebeten, sie doch in Australien zu besuchen, wenn ich mal dort sei.

Da ich ein grosses Zimmer ganz fuer mich alleine hatte, die Frauen der Gruppe sich allerdings ein wenig haetten falten muessen, um alle in das Ihre zu passen, liess ich eine der netten Australierinnen bei mir schlafen... ich bin sowieso lieber unter Menschen.



Am naechsten Morgen mussten wir uns leider schon wieder voneinander verabschieden. Ich fuhr weiter Richtung Osten, die anderen gen Westen nach Sapporo. Diesmal schien zu unser aller Freude die Sonne.

Mit erwaermtem Herzen brach ich auf und fuhr gemuetlich zu meinem nachsten Campingplatz, wo ich bereits am spaeten Vormittag ankam.
Diesmal lag er in einem Minigolfparadies - schade nur, dass ich damit gar nichts anfangen kann. Dafuer entdeckte ich ein Baseballfeld und sah den dort trainierenden Jugendlichen beim Ueben zu. Als die Sonne unterging machte ich noch einen langen Spaziergang durch den kleinen, aber huebschen Ort, in dem es niedliche Haeuser gab.

Es war gut, dass ich mich in den letzten Tagen so geschont hatte denn der folgende Tag sollte nicht so erholsam werden.

Ich hatte mir ein Rider House ausgesucht, das etwa eine Tagesreise entfert lag. Auf diesem Streckenabschnitt war es leider die erste Uebernachtungsmoeglichkeit, denn ich konnte auf meinem Plan auch keinen Campingplatz ausfindig machen, obwohl das Wetter nun geradezu zum Zelten einlud!

So fuhr ich also los und hatte gegen Nachmittag auch nur noch etwa 15 Kilometer vor mir, als es begann bergauf zu gehen und ich mal wieder schieben musste. Diesmal gluecklicherweise "nur" etwa 2 1/2 Stunden, aber es reichte, um aus dem gemaechlichen Radlertag mal wieder einen etwas stressigen zu machen, denn ich konnte jetzt nicht ans wildcampen denken, da ich mich unbedingt waschen wollte und dachte, ich koenne mir etwas Luxus und damit ein Dach ueber dem Kopf erlauben.

Das Schoene an den Bergen ist: Sie sind fair!

Denn bergab geht es in den meisten Faellen genauso lange, wie bergauf. (Aber natuerlich ist man schneller, da man bequem im Sattel sitzen kann und nur bremsen muss)
Doch irgendwie musste ich in meinem Genuss, den mir der kuehle Fahrtwind und die Geschwindigkeit bereitete, das Rider House uebersehen haben, denn als ich mich im Tal erkundigte, sagte man mir, es laege in der Richtung, aus der ich eben gekommen war...

Was solls, Pech.

Oder auch nicht, denn es gab noch ein Weiteres etwa 10 Kilometer weiter.
Diesmal verpasste ich es auch nicht und irgendwie war es doch gut, dass ich das Vorherige uebersehen hatte, denn dieses hier war wirklich aufregend!

Es entpuppte sich als alter Eisenbahnwaggon auf einem stillgelegten Gleis... wenn das nicht nach Abenteuer riecht. Zudem wollte ich schon immer mal (seit ich "das fliegende Klassenzimmer" gelesen hatte, in dem einer der Charaktaere in einem ausrangierten Bahnwaggon lebt) in einem solchen wohnen.

Es war auch wirklich nicht uebel und die Gastmutter mal wieder eine Seele von Mensch, die mir eine Riesentomate und Gutscheine fuer den Onsen in Nibutani schenkte, wo ich ohnehin als naechsten Halt machen wollte.

Ausser dass ich mir mein Abteil mit einer fetten Spinne teilen musste (die ich aber im Bad einsperren konnte - hoho) konnte ich mich auch wirklich nicht ueber einen Mangel an Komfort beschweren und ich verbrachte eine friedliche Nacht. Am naechsten Morgen wurde ich durch das Licht eines herrlichen Sonnenaufgangs geweckt.


Inzwischen war mein Plan, noch rechtzeitig Kushiro zu erreichen leider unmoeglich geworden. Die Regentage und mein Beduerfnis nach Erholung hatten mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aber wie schon einmal festgestellt, ist gerade diese Art von Flexibilitaet das Gute, wenn man alleine unterwegs ist. Dann wuerde ich eben keine Kraniche sehen, das war auch nicht so schlimm. Eine schoene Tour haette ich trotzdem gehabt.

So beschloss ich, nur bis Nibutani zu fahren (einem Ainu-Dorf) und auf dem dortigen wohl grossen Campingplatz einige Tage zu verbringen...

Als ich am naechsten Morgen dort ankam, sah ich jedoch mit Wiederwillen, dass es sich bei dem Campingplatz keineswegs um etwas Idyllisches, sondern vielmehr um eine riesige Anlage auf einem kuenstlichen Berg handelte, mit Sport-, sowie Spielplaetzen, Restaurants und anderen Dingen, die Touristen nicht missen wollen, die am liebsten ihr Haus mitgebracht haetten.
Zumal sollte der Spass 1.000 Yen pro Nacht kosten... Ziemlich teuer nur fuer ein Zelt.

Nee danke, sagte ich mir deshalb und nahm mir vor, nur das Ainu-Dorf zu besichtigen und dann auf einem Zeltplatz an der Suedkueste zu uebernachten.



Das Dorf war auch etwas spaerlich. Es bestand aus ein paar Huetten, die wohl Ainustil sein sollten. Betreten konnte man sie nicht, weil sie abgeschlossen waren (das an sich war schon ein Stilbruch) aber es war moeglich durch die Fensterscheiben (!!!) zu spaehen und von innen sahen sie alle gleich aus: vornehmlich leer, mit einem Feuerplatz in der Mitte.

Ein Museum gab es auch und weil ich schonmal hier war, sah ich es mir an. Hier gab es zumindest einige alte Fotos, die einem viel besser zeigten, wie es damals aussah und ich muss zugeben, dass es ganz huebsch aufgemacht war.

Leider war das auch schon alles. Ich hatte den ganzen Tag dafuer eingplant und nun war ich nach einer Stunde bereits durch.

Mir blieb also nichts weiter uebrig, als meine Tour fortzusetzen, doch dieser Tag sollte sich mal wieder als seeehr lang erweisen.
Tatsaechlich legte ich insgesamt eine Rekordstrecke von 100 km zurueck - meine bisher beste Leistung.
Das habe ich allerdings nicht etwa aus Spass am Radfahren geschafft, sondern bin durch diverse, nicht mehr vorhandene Campingplaetze zum Weiterfahren gezwungen worden.

Meine letzte Hoffnung lag direkt neben einem Onsen und nur diese Tatsache gab mir die Kraft und Motivation zum Durchhalten. Okay, auch ein Missverstaendnis war daran schuld, denn als ich mich an einer Tankstelle erkundigte, wurde mir gesagt, der Onsen mache um sechs Uhr zu... Hinterher erfuhr ich, dass der Zeltplatz gemeint war, aber da es schon vier Uhr war, ich noch 20 Kilometer zu fahren hatte und unbedingt in den Onsen wollte, nahm ich nochmal alle Kraft zusammen und trat in die Pedale. Die letzten Kilometer habe ich nur noch verschwommen in Erinnerung und weiss lediglich, dass ich mir immer wieder gesagt habe "Onsen, ich komme"...
Ich schaffte es auch tatsaechlich, Punkt 17:15 Uhr dort einzutreffen. Da ich mir dachte, das Zelt koenne ich auch spaeter aufbauen, liess ich alles vor dem Gebaeude stehen, schloss nur mein Rad ab und wollte gerade den Eintritt bezahlen, als ich das Schild mit den Oeffnungszeiten bemerkte.

Doch anders als erwartet, war ich nicht frustriert, dass ich mich umsonst abgestrampelt hatte, sondern war nur erleichtert, dass ich mich nun auch bis 22:00 Uhr einweichen lassen konnte, wenn ich wollte.

So fuhr ich doch noch die letzten Meter bis zum Zeltplatz und erwischte den Besitzer gerade noch vor Officeschluss. Positiv war auch, dass eine Nacht hier nur 315 Yen kostete! Und der Platz war wirklich, wirklich huebsch und noch dazu so nahe am Onsen! Hier konnte ich getrost die naechsten Tage bleiben, bis ich zu meiner naechsten Gastfamilie musste. Sogar eine Bahn fuhr hier... wenn das nicht alles ideal war?

Und noch eine Ueberraschung sollte ich erleben.

Vielleicht sah ich bemitleidenswert uebel aus, mit mal wieder einem leichten Sonnenbrand (trotz schickem Hut aus dem 100 Yen-shop), aufgesprungenen Lippen und wuscheligem Haar, oder aber er wollte wirklich nur freundlich zu mir sein. Jedenfalls drueckte er mir einen Schluessel in die Hand und erst nach einigem Hin und Her verstand ich, dass er mir eines der Bungalows zum Preis einer Zeltnacht ueberliess, obwohl es locker das zehnfache kostete!

Was sollte ich dazu noch sagen. Ich starrte ihn einfach nur an und waere ihm am liebsten um den Hals gefallen.

Kein Zeltaufbauen, sofort in den Onsen, schlafen...
Das waren die einzigen Dinge, die mir in diesem Moment durch den Kopf gingen.

Es war zudem ein wirklich suesses Bungalow. Wie ein Nest sah es aus: Eine kleine Pyramide auf vier Holzpfeilern. Ich schleppte gleich meine Sachen nach oben. Ein netter Mann, der zusammen mit seiner Frau mein Nachbar war, allerdings in seinem Auto schlief, half mir dabei.

Danach hielt mich nichts mehr.

Schnell packte ich einen Beutel mit frischen Klamotten, schnappte ein Handtuch und fuhr meinem Tagestraum entgegen.

Der Onsen war auch keine Enttaeuschung. Er erinnerte an eine Lagune, mit Felszungen als Dekoration und an den Waenden Mosaike von Berg- und Flusslandschaften. Die Becken waren auch ganz verschieden. Kalt und heiss, mit Blubber und ohne, salzig und suess. Ich genoss es in vollen Zuegen und verbrachte beinahe zwei volle Stunden im Wasser, ehe ich mich davon gesaettigt fuehlte.

Wieder an meinem Nest angekommen, gelangte ich mit dem netten Ehepaar ins Gespraech. Sie hiessen Akira und Hisae und wollten mich an ihren Tisch zum Abendessen einladen, als mir einfiel, das ich ja noch das Fertiggericht vom Shikotsuko hatte. Dieses durfte ich auf ihrem Kocher zubereiten.

Auch fanden wir gleich ein Thema, ueber das wir reden konnten, denn auch sie waren Mundharmonikaspieler. Im Gegensatz zu mir jedoch richtig Pofessionelle!

So spielten wir uns gegenseitig einige Lieder vor, bis mir fast die Augen zufielen und ich bat, mich zurueckziehen zu duerfen.





Am naechsten Morgen wollten sie nach Kushiro aufbrechen. (Was fuer ein Zufall) und deshalb hatte es die ganze Nacht in meinem Kopf gearbeitet... Konnte ich es wagen, sie zu bitten, ob sie mich mitnehmen wuerden? Gross genug war ihr Auto, aber ich hatte Hemmungen, weil es von unserem Standpunkt aus einige hundert Kilometer waren. Ausserdem ging es mir hier doch nicht schlecht. Mit der guten Bahnverbindung nach Mukawa, dem Onsen in der Nahe und meinem kleinen Bungalow... warum wollte ich hier weg? Vielleicht war ich es inzwischen einfach zu gewohnt staendig auf Achse zu sein und ich konnte einfach nicht mehr ohne Abwechslung leben?

Nachdem wir unser Fruehstueck miteinander geteilt hatten wagte ich es dennoch zu fragen.

Sie hatten zwar ein bisschen Probleme das Rad in den Kofferraum zu bekommen und ich musste mich auf der Sitzbank wegen meines vielen Gepaecks sehr zusammenfalten, aber ich durfte mit!

Als wir uns ueber Autos unterhielten und ich auf meine Frage, was fuer einen Wagen sie fuehren als Antwort bekam, es sei ein Toyota (ich erkenne leider keine Automarke, selbst wenn ich drin sitze), entschied das meine Blogueberschrift.

Es wurde sogar ein richtiger Familienausflug, denn wir fuhren an der Kueste entlang bis zum suedlichsten Zipfel und verbrachten dort ein bisschen Zeit, schossen Fotos, bewunderten Blumen und freuten uns ueber das gute Wetter.

Danach schlief ich ein, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.

Wir erreichten Kushiro gegen fruehen Abend. Akira und Hisae hatten sich entschlossen, mit mir eine Nacht auf dem Zeltplatz in Tsuru zu verbringen und zu unserer grossen Ueberraschung war er sogar umsonst. Eine Menge Motorradfahrer zelteten auch dort und das ergab eine sehr gemuetliche Atmosphaere.

Allerdings gab es keine Kraniche!

Ihnen sei es zu warm geworden und sie seien nach Russland geflogen, erklaerte mir Akira.
Das erfuhr ich jetzt!
Dabei hatte ich ihnen noch am Abend zuvor erzaehlt, wie gerne ich die Kraniche sehen wollte.
Und auch in Otaki, als ich mit Naomi meine Route besprach wurde ich nicht darauf hingewiesen...
Vielleicht wollten sie mich nicht enttaeuschen, aber auch wenn das lieb gemeint war, fuehrte es auf meiner Seite nicht gerade zu Freudenspruengen.

Ich troestete mich mit dem Gedanken, dass ich immerhin eine tolle Erfahrung und eine schoene gemeinsame Reise gemacht hatte, statt allein vor mich hinzuradeln. Da waere die Enttaeuschung wohl noch groesser gewesen.

Zu dritt gingen wir spaeter in den nahegelegenen Onsen, assen zu Abend und spielten noch ein bisschen Mundharmonika, bis es Zeit wurde, schlafen zu gehen. Akira wollte am naechsten Tag weiter in den Norden fahren und ich war mir noch nicht sicher, was ich machen sollte. Ich hatte es aufgegeben, zu planen. Ich war auf den Geschmack gekommen, mich treiben und ueberraschen zu lassen. Auf diese Weise wurde man nicht enttaeuscht und konnte wirklich viel erleben!

So brach der naechste Morgen an und ich hatte ueber Nacht entschieden Richtung Kushiro-City zu fahren. Auf dem Weg gab es ein Kranichcenter, wo es angeblich ein paar dieser Tiere zu sehen gab.

Nachdem wir uns ueberschwaenglich verabschiedet hatten, machte ich mich auf den Weg.
Es war eine schoene Strecke, durch den Nationalpark, aber leider uebersah ich mal wieder meine Ausfahrt und fuhr am Kranichcenter vorbei.
Auch nicht so schlimm, dann fuhr ich eben weiter bis in die Stadt. Dort gab es ein Rider House und ich konnte noch ein paar Karten schreiben, und meine Busfahrkarte zurueck nach Sapporo kaufen.

Am naechsten Tag freute ich mich ueber meine Entscheidung, denn es regnete mal wieder.
Ich kaufte eine Fahrkarte fuer den Nachtbus und durfte sogar noch bis zum Abend in dem Rider House bleiben, bis es Zeit wurde, zum Bahnhof zu gehen.

Die Fahrt war sehr angenehm und ich konnte sogar etwas schlafen...

Als ich am naechsten Morgen in Sapporo ankam, verbrachte ich den Tag damit, eine neue Prepaidkarte fuer mein Handy und eine Busfahrkarte nach Mukawa fuer den naechsten Morgen zu kaufen, Karten zu schreiben und zu lesen.
Mittags traf ich mich mit Claus zum Mittagessen und er gab mir den Schluessel zu seiner Wohnung, damit ich schonmal meine Sachen abladen konnte.
Insgesamt kann ich mich also wirklich nicht ueber eine langweilige Reise beschweren. :)

Der naechste Blog wird ueber meine Zeit in Mukawa.

Mata ne
Kira