Mit dem Zug ging es also ganz gemaechlich von Toyama nach Kashimo. Die Haelfte der Strecke kannte ich ja bereits aus meiner vorherigen Zeit in Gero, als ich auf der kleinen Kuhfarm arbeitete, denn auch Kashimo liegt in der Praefektur Gifu und nur wenige Haltestellen von meiner damaligen Gastmutter entfernt.
Vor fuenf Jahren hatte er zusammen mit seiner Frau Rie-san ein altes Bauernhaus, das bereits 150 Jahre alt war, erworben und restauriert. Sie nannten es "mori no ie" - Waldhaus (auch wenn es in Wirklichkeit nur am Waldrand liegt). Doch dieser Name beschreibt auch ihren Lebensstil, der sehr naturverbunden und umweltbewusst ist.
Sie finanzieren ihre Familie mit derzeit zwei Soehnen durch einen kleinen Laden, den sie auch online betreiben und wo man allerhand oekologische Produkte von Seifen ueber Lebensmittel und sogar Waermflaschen aus Deutschland kaufen kann. Rie-san backt zudem selber vegane Kuchen und Kekse, die uns manchmal in einer kleinen Pause zum Probieren gereicht wurden und welche tatsaechlich sehr gut schmecken, obwohl sie ohne Butter, Zucker, Milch und Ei hergestellt sind.
Allerdings muss sie schon sehr frueh morgens aufstehen, um die grosse Nachfrage befriedigen zu koennen (das heisst, ich hoerte sie manchmal schon gegen drei oder vier Uhr frueh in der Kueche rumoren) und war daher oft etwas gestresst und ungeduldig. Allerdings sprach sie so gut wie kein Englisch und wenn man deshalb eine ihrer Instruktionen nicht gleich auf Japanisch verstand, war sie veraergert und machte es lieber selber als es erneut zu erklaeren.
Auch organisierte Ma-san fuer fast jedes Wochenende einen Workshop, ein Seminar oder andere Treffen, nicht nur weil es ihm grossen Spass machte, sondern auch um sich selbst und damit den Laden bekannter zu machen. Das Bewirten fiel jedoch Rie-san zur Last, was ihren Stress nicht gerade linderte. Oft kamen bis zu 20 Personen. (Ein Seminar war zu Ehren einer Australierin, die in ihrem Heimatland ebenfalls eine organische Farm betreibt und ein Referat ueber ihre Methoden hielt, das andere war ein Workshop ueber den theoretischen und praktischen Umbau von Autos, so dass diese umweltfreundlicher mit WVO (waste vegetable oil - also altem Frittierfett) fahren konnten)
Das Leben der WWOOFer war hier ebenso geschaeftig.
Wir schliefen auf dem geraeumigen Dachboden und da das Haus, wie gesagt schon sehr alt war und wir bereits Ende Oktober schrieben, blies ein eiskalter Wind durch teilweise fingerbreite Spalten. Einige Tage nach meiner Ankunft vernagelten wir daher alles mit grossen Pappkartons. Da ich anfangs das einzige Maedchen war, wurde fuer mich nur eine kleine Nische mit Stellwaenden notduerftig abgetrennt.
Offenbar hielten auch Spinnen, Stinkwanzen und Mauese den Dachboden fuer ein ausgezeichnetes Winterquartier, denn des Nachts konnte ich viele kleine Fuesse ueber die Tatamimatten trippeln und kleine Zaehne an den Kartons nagen hoeren.
Eines Abends vernahm ich ungewoehnlich lautes Rascheln aus der Ecke, die meinem Futon am naechsten lag. Das konnte keine Maus sein. Ich versuchte mit meiner kleinen Taschenlampe die Ursache dieses Laerms auszumachen, sah aber nichts. Stattdessen verstaerkte sich das Rascheln nur. Letztendlich siegte doch die Neugier und ich kroch auf allen vieren unter die Schraege. Und dort in einer der Mausefallen, die Ma-san aufgestellt hatte, hing mit einer Pfote eine panische Ratte und versuchte sich mit Leibeskraeften zu befreien.
Ich hatte keine Ahnung, wie ich dem Tier helfen konnte und so blieb mir nur, meinen Gastvater zu holen, der die Falle samt Ratte einfach in Zeitungspapier wickelte und damit verschwand. Ich habe nie herausgefunden, was damit geschah...
Der Alltag:
Gegen sechs Uhr Morgens wurden wir von dem lauten Quieken des Hausschweins Buddha geweckt, das nach seinem Fruehstueck verlangte. Die Menschen assen jedoch erst gegen acht Uhr und unsere Morgentaetigkeiten nahmen nicht so viel Zeit in Anspruch, da wir zu zweit waren und sie unter uns aufteilen konnten. Deshalb mussten wir uns erst eine Stunde spaeter langsam aus dem warmen Bett quaelen, auch wenn die Beschwerden von Buddha keinen Schlaf mehr zuliessen. Meine erste Aufgabe vor dem Fruehstueck bestand also daraus, dem armen verhungernden Schwein sowie den Huehnern den Topf mit Kuechenabfaellen zu servieren, anschliessend die Waesche zu waschen und aufzuhaengen, die Toilette zu putzen, die Boeden zu fegen, den Tisch zu decken und Rie-san beim Kochen zu helfen. Spaeter wuschen wir das Geschirr, raeumten das Haus fertig auf und dann rief uns Ma-san zur Farmarbeit.
Diese ging normalerweise bis gegen halb eins, dann halfen wir beim Mittagessen und ab halb zwei bekamen wir endlich eine kleine Mittagspause (die wir natuerlich alle verschliefen).
Um drei ging es weiter. Waehrend die anderen ihre Aufgaben vollendeten, wurde einer von uns abkommandiert, das abendliche Bad einzuheizen, was fast drei Stunden dauerte, denn der Ofen war sehr klein und das Holz brannte
schlecht. Meisstens qualmte es so sehr, dass schon in den wenigen Sekunden, die man brauchte, um die Luke zu oeffnen und neue Scheite nachzuschieben, unter der Decke des Raums eine dicke Rauchwolke entstand. Diese war auch dafuer verantwortlich, dass ich jeden Tag das Waschbecken und den Fussboden putzen musste, da sich ueberall die feinen Russpartikel absetzten.
Die Farmarbeit an sich bestand aufgrund des fortgeschrittenen, dennoch waehrend des Tages noch immer herrlich warmen Wetters, nicht mehr ausschliesslich aus Feldtaetigkeiten, denn der Reis war bereits geerntet und hing zum Trocknen ueber langen Stangen.
Das Schoene an mori no ie war, dass die Arbeit, abgesehen von den haeuslichen alltaeglichen Aufgaben sehr vielfaeltig war:
So lernten wir unter anderem, wie man die Papierbespannung der typisch Japanischen Schiebetueren erneuert. (Ma-sans Soehne liebten es, mit ihren kleinen Fingern Loecher hineinzupieken, wann immer man nicht hinsah).
Dazu weicht man zunaechst das alte Papier an den Klebestellen mit warmen Wasser auf. So laesst es sich leichter abziehen und komplett entfernen. Nachdem das Holzgestell getrocknet ist, wird der Rahmen und die inneren Leisten mit Kleister (frueher machte man ihn aus Reisstaerke) bestrichen und anschliessend mit dem duennen Papier frisch beklebt. Das ganze laesst man wieder eine Weile trocknen, bevor die Tuer wieder einsetzt werden kann. Ein altes Japanisches Haus ist noch so konstruiert, dass man alle Waende leicht aushaken kann, denn im Sommer ist es sehr heiss und in dieser Zeit wurden frueher fast alle Papierwaende entfernt um die Luft zirkulieren zu lassen.
Einmal erzaehlte uns Ma-san eine interessante Geschichte. Drei Jahre nachdem er das Haus gekauft hatte, entruempelte er einen der Schuppen, die noch heute teilweise voll Krempel vom Vorbesitzer sind und fand bei dieser Aktion zwei alte Handmuehlen aus Holz, die fast auf 100 Jahre datiert werden konnten. Diese Handmuehlen bestehen aus zwei schweren Teilen. Das Untere hat die Form eines Kegels auf einem Sockel und dieser Kegel ist mit vielen Rillen versehen. Das obere Teil dagegen hat dieselbe Kegelform im Inneren und laesst sich deshalb nahtlos auf das Unterstueck setzen und bewegen. Das Korn wird in ein Oeffnung im Deckel gefuellt, rieselt in die Rillen und wenn man nun das Oberstueck bewegt, wird es dadurch zermahlen.
Das Interessante war nun, das Ma-san in diesen Muehlen einige alte Reiskoerner fand, die mindestens 50 Jahre alt sein mussten. Diese Reiskoerner pflanzte er auf gut Glueck ein und eines davon begann tatsaechlich zu spriessen!
Waehrend der folgenden Jahre konnte er mit Geduld und Fuersorge durch wiederholtes Einpflanzen tatsaechlich letztenendes einige hundert Aehren gewinnen, die er nun zusammen mit uns dreschen wollte.
Aber nicht auf moderne, herkoemmliche Weise. Denn er hatte auch einige alte Geraetschaften in den Schuppen gefunden, mit denen die Menschen vor der Zeit der Elektrizitaet arbeiteten.
Als erstes verwendeten wir etwas, das aussah, wie ein grosser Kamm mit eisernen, dreieckigen Zacken. Durch diese zogen wir in kleinen Buendeln die Reishalme und bewirkten so, dass am unteren Ende, wo die Zacken spitz zusammenliefen, die Reiskoerner abgetrennt wurden. Das ganze Geraet war nicht sehr schwer und deshalb musste man es mit den Fuessen abstuetzen um dem Zug entgegenzuwirken.
Nachdem wir etwa ein fuenftel der Halme auf diese Weise bearbeitet hatten, was ziemlich viel Zeit in Anspruch nahm, zeigte uns Ma-san eine andere Maschine. Diese bestand aus einer grossen drehbaren Holztrommel mit kleinen Drahtboegen auf der Oberflaeche. Die Trommel brachte man mit den Fuessen durch ein Pedal in Bewegung, aehnlich den frueheren Naehmaschinen, und waehrend sich die Trommel drehte, legte
man buendelweise die Halme darauf. Die kleinen Drahtboegen hatten in diesem Fall die Aufgabe, die Koerner abzutrennen und es ging dank der Rotation erheblich schneller, als mit den Eisenzacken. Dennoch brauchten wir einige Zeit, bis alle Reiskoerner eingesackt waren. Danach ging es weiter mit dem normalen Reis, der inzwischen gut durchgetrocknet war und davon gab es nicht nur hunderte sondern tausende von Halmen. Zum Schluss hatten wir alle ordentlichen Muskelkater in den Beinen und waren froh, als dieser Teil der Arbeit erledigt war.
Die letzte Maschine war ein grosser Holzkasten mit einem Trichter oben, sowie einige kleinere Oeffnungen an den Seiten und einer Handkurbel. Die Kurbel betaetigte einen Ventilator. Das gedroschene Korn wurde von einer Person in den Trichter gefuellt und waerend es rieselte betaetigte ein anderer den Ventilator um Halmreste, Huelsen und anderen leichten Abfall von den Koernern zu trennen. Die guten Koerner kamen flossen durch eine der Oeffnungen in den Sack, waehrend aus einer anderen der Staub und Abfall geweht wurde. Allerdings war dieser Vorgang nicht sehr zuverlaessig, denn schwerer Abfall konnte nicht weggeblasen werden.
Dennoch war es ein interessantes Projekt bei dem man vor allem Respekt vor dem Arbeitsaufwand damals lernte.
Eines Tages kam ein Freund der Familie vorbei, den alle wegen seiner Vorliebe fuer Alkohol nur "Brandy-san" nannten, um Buddha sein jaehrliches Bad zu verpassen. Buddha war in der Tat so schmutzig, dass man nicht mehr sagen konnte, welcher der Flecken auf dunkle Pigmente zurueckzufuehren war und welcher auf den Matsch im Hof. Also lockten wir das arme nichtsahnende Tier an seiner Leine (es trug eine Art Harnisch um die Brust, wie man ihn auch manchmal bei Hunden sieht) und mithilfe eines Topfes voll Koernern, die ich nach Haensel & Gretel-Manier vor seiner Schnauze plazierte auf die Strasse.
Dort hatte Brandy-san bereits einen Eimer warmes Wasser, Seife, sowie einige Buersten und Schrubber bereitgestellt. Schon beim Anweichen des Schmutzes mit Wasser fing es an zu quitschen, als hinge sein Leben davon ab. Das wurde auch nicht besser, als die Buersten zum Einsatz kamen, doch bald fanden wir heraus, dass man es sehr gut mit Futter ablenken konnte. Waehrend der eine es also mit ein paar Koernern beschaeftigte, nahm es von den Bemuehungen des anderen, es sauberzuschrubben, keine Notiz mehr. Das klappte aber natuerlich nicht mehr, als die Schnauze selbst an der Reihe war, doch nach gut zwei Stunden konnten wir es beinahe blitzeblank von diesen Qualen erloesen.
Ich war sogar noch dort, als Buddha endlich den graesslichen Harnisch loswurde, den es seit fast zwei Jahren trug, denn ich half dabei, einen Zaun um das Huehnerhaus zu bauen, welches sein neues Zuhause werden sollte. Die Huehner selbst wuerden in einem groesseren Schuppen untergebracht werden, denn Ma-san wollte bald anfangen sie zu zuechten.
Ich dachte, das Schweinchen wuerde Freudenspruenge machen, als es endlich frei war, doch nichts dergleichen. Es hing nur mit der Nase im Matsch und wedelte mit dem Schwanz, als es sich seinen Weg durch das neue Terretorium wuehlte.
Aber genau wie schon bei anderen Gastfamilien, bestand meine Zeit in mori no ie nicht nur aus Arbeit (wie ich die interesannten Taetigkeiten trotzdem nennen muss, da sie sehr den Koerper ermuedeten) sondern auch aus Ausfluegen und Unterricht.
Uns wurde gezeigt, wie man selbst Bier braut und abfuellt. (Lustigerweise verwendete Ma-san dafuer als Grundlage deutschen konservierten Hopfen)
An einem anderen Vormittag nahm er uns mit zu seiner Tanzgruppe, die sich hin und wieder trifft und, durch Trommeln begleitet, Afrikanische Taenze probt. Das machte sehr viel Spass, denn wenn man eine lange Zeit in einem fremden Land verbringt, erscheinen einem dort andere Kulturen ebenso aufregend, wie im eigenen Land. Wir bekamen sogar Einfuehrungsunterricht im Trommeln.
Als wir Besuch von der Australierin hatten, machten wir alle zusammen einen Ausflug zu einem grossen Gebirgsbach, der durch einen herrlichen, und nun im Herbst bunten Wald floss. Wir erklommen ein ganzes Stueck des Berges auf schoenen Holztreppen und -wegen, die wiederum auf Stelzen standen. Man ging praktisch auf Laminat, nobler ist eine Wanderung kaum moeglich. :)
Das Schoene an mori no ie war, dass die Arbeit, abgesehen von den haeuslichen alltaeglichen Aufgaben sehr vielfaeltig war:
Dazu weicht man zunaechst das alte Papier an den Klebestellen mit warmen Wasser auf. So laesst es sich leichter abziehen und komplett entfernen. Nachdem das Holzgestell getrocknet ist, wird der Rahmen und die inneren Leisten mit Kleister (frueher machte man ihn aus Reisstaerke) bestrichen und anschliessend mit dem duennen Papier frisch beklebt. Das ganze laesst man wieder eine Weile trocknen, bevor die Tuer wieder einsetzt werden kann. Ein altes Japanisches Haus ist noch so konstruiert, dass man alle Waende leicht aushaken kann, denn im Sommer ist es sehr heiss und in dieser Zeit wurden frueher fast alle Papierwaende entfernt um die Luft zirkulieren zu lassen.
Das Interessante war nun, das Ma-san in diesen Muehlen einige alte Reiskoerner fand, die mindestens 50 Jahre alt sein mussten. Diese Reiskoerner pflanzte er auf gut Glueck ein und eines davon begann tatsaechlich zu spriessen!
Aber nicht auf moderne, herkoemmliche Weise. Denn er hatte auch einige alte Geraetschaften in den Schuppen gefunden, mit denen die Menschen vor der Zeit der Elektrizitaet arbeiteten.
Als erstes verwendeten wir etwas, das aussah, wie ein grosser Kamm mit eisernen, dreieckigen Zacken. Durch diese zogen wir in kleinen Buendeln die Reishalme und bewirkten so, dass am unteren Ende, wo die Zacken spitz zusammenliefen, die Reiskoerner abgetrennt wurden. Das ganze Geraet war nicht sehr schwer und deshalb musste man es mit den Fuessen abstuetzen um dem Zug entgegenzuwirken.
Nachdem wir etwa ein fuenftel der Halme auf diese Weise bearbeitet hatten, was ziemlich viel Zeit in Anspruch nahm, zeigte uns Ma-san eine andere Maschine. Diese bestand aus einer grossen drehbaren Holztrommel mit kleinen Drahtboegen auf der Oberflaeche. Die Trommel brachte man mit den Fuessen durch ein Pedal in Bewegung, aehnlich den frueheren Naehmaschinen, und waehrend sich die Trommel drehte, legte
Die letzte Maschine war ein grosser Holzkasten mit einem Trichter oben, sowie einige kleinere Oeffnungen an den Seiten und einer Handkurbel. Die Kurbel betaetigte einen Ventilator. Das gedroschene Korn wurde von einer Person in den Trichter gefuellt und waerend es rieselte betaetigte ein anderer den Ventilator um Halmreste, Huelsen und anderen leichten Abfall von den Koernern zu trennen. Die guten Koerner kamen flossen durch eine der Oeffnungen in den Sack, waehrend aus einer anderen der Staub und Abfall geweht wurde. Allerdings war dieser Vorgang nicht sehr zuverlaessig, denn schwerer Abfall konnte nicht weggeblasen werden.
Dennoch war es ein interessantes Projekt bei dem man vor allem Respekt vor dem Arbeitsaufwand damals lernte.
Dort hatte Brandy-san bereits einen Eimer warmes Wasser, Seife, sowie einige Buersten und Schrubber bereitgestellt. Schon beim Anweichen des Schmutzes mit Wasser fing es an zu quitschen, als hinge sein Leben davon ab. Das wurde auch nicht besser, als die Buersten zum Einsatz kamen, doch bald fanden wir heraus, dass man es sehr gut mit Futter ablenken konnte. Waehrend der eine es also mit ein paar Koernern beschaeftigte, nahm es von den Bemuehungen des anderen, es sauberzuschrubben, keine Notiz mehr. Das klappte aber natuerlich nicht mehr, als die Schnauze selbst an der Reihe war, doch nach gut zwei Stunden konnten wir es beinahe blitzeblank von diesen Qualen erloesen.
Ich war sogar noch dort, als Buddha endlich den graesslichen Harnisch loswurde, den es seit fast zwei Jahren trug, denn ich half dabei, einen Zaun um das Huehnerhaus zu bauen, welches sein neues Zuhause werden sollte. Die Huehner selbst wuerden in einem groesseren Schuppen untergebracht werden, denn Ma-san wollte bald anfangen sie zu zuechten.
Ich dachte, das Schweinchen wuerde Freudenspruenge machen, als es endlich frei war, doch nichts dergleichen. Es hing nur mit der Nase im Matsch und wedelte mit dem Schwanz, als es sich seinen Weg durch das neue Terretorium wuehlte.
Aber genau wie schon bei anderen Gastfamilien, bestand meine Zeit in mori no ie nicht nur aus Arbeit (wie ich die interesannten Taetigkeiten trotzdem nennen muss, da sie sehr den Koerper ermuedeten) sondern auch aus Ausfluegen und Unterricht.
An einem anderen Vormittag nahm er uns mit zu seiner Tanzgruppe, die sich hin und wieder trifft und, durch Trommeln begleitet, Afrikanische Taenze probt. Das machte sehr viel Spass, denn wenn man eine lange Zeit in einem fremden Land verbringt, erscheinen einem dort andere Kulturen ebenso aufregend, wie im eigenen Land. Wir bekamen sogar Einfuehrungsunterricht im Trommeln.
Als wir Besuch von der Australierin hatten, machten wir alle zusammen einen Ausflug zu einem grossen Gebirgsbach, der durch einen herrlichen, und nun im Herbst bunten Wald floss. Wir erklommen ein ganzes Stueck des Berges auf schoenen Holztreppen und -wegen, die wiederum auf Stelzen standen. Man ging praktisch auf Laminat, nobler ist eine Wanderung kaum moeglich. :)
Nachdem wir auch diesen ausgiebig bewundert hatten zeigte uns unser Gastvater auch noch ein Noh-Theater, das zwar nur 100 Jahre alt war, aber dennoch beeindruckte. Wir bekamen eine richtige Fuehrung, nicht nur hinter, sondern auch unter die Kulissen und durften mit einigen der Requisiten, wie alten Samuraischwertern posieren.
Alles in allem verging meine Zeit durch all diese aufregenden Events sehr schnell, obwohl es an ein paar besonders langen und harten Tagen nicht so schien.
Meine naechste Station wuerde die Praefektur Hyogo sein, wo meine neue Gastfamilie in Suwa lebte. Da ich meine Reisekasse schonen wollte, hatte ich beschlossen ueber Nagoya und Osaka dorthin zu trampen. Sehr zur Belustigung meines Gastvaters, der sich meines Erfolges nicht sicher war. Zudem war ich wohl der erste WWOOFer der etwas in dieser Art betrieb und er wollte es sich nicht entgehen lassen, mich zu beobachten.
Ich praeparierte mir also mal wieder ein Schild und stellte mich damit am Morgen meiner Abreise an die Strasse.
Tatsaechlich begleiteten mich alle anderen WWOOFer und meine Gastfamilie bis dorthin und wollten allen Ernstes warten, bis mich ein Auto mitnahm.
Doch ich fuerchtete, die Autofahrer koennten denken, ich sollte fuer die ganze Gruppe eine Mitfahrgelegenheit ergattern und wuerden aus diesem Grund gar nicht erst anhalten. Deshalb gelang es mir am Ende doch, sie zu ueberzeugen mich allein zu lassen...
Mata ne
Kira
