Eine immer groessere Menschenmenge versammelte sich nun in der Terminalhalle und ich ergriff die Flucht, um den Horden zu entkommen. Draussen las ich mir die Wegbeschreibung zu meinem Dock durch. Dieser zufolge, gab es wohl einen Bus, der uns alle zur Anlegestelle bringen wuerde. Noch immer war mehr als eine Stunde zu ueberbruecken und so beschloss ich, Proviant kaufen zu gehen, denn die Ueberfahrt wuerde gute zwei Tage dauern und wer weiss, wie es um die Verpflegungsangebote auf dem Schiff stuende? Der Infozettel besagte, dass es kein Restaurant gaebe.
Ich schaute mich suchend um. In welcher Richtung wuerde ich wohl am Schnellsten auf einen Convinience Store treffen?
Mein Blick fiel auf drei Auslaender, die in meine Richtung schauten und sich unterhielten. Ich laechelte ihnen zu und das schien sie zu ermutigen, naeher zu kommen. (In Japan ist es ein Phaenomen, dass viele Westler nichts von anderen ihrer Art wissen wollen und sie teils komplett ignorieren. Zumeist sind es solche, die gerne selbst Japaner waeren und versuchen, ja nicht mit ihresgleichen in Verbindung gebracht zu werden. Zu schrecklich waere es fuer diese Wunsch-Japaner, fuer einen gewoehnlichen Touristen gehalten zu werden!) Wie sehr viele andere, eingeborene Japaner jedoch, habe ich nichts dagegen, Menschen anderer Nationalitaeten zu treffen.
So lernte ich Catriona, Marc und Emily kennen.
Sie kamen aus Schottland, Canada und England und unterrichteten alle Englisch in der Praefektur Kochi. Auch sie wolten nach Okinawa, allerdings nur fuer einen einwoechigen Urlaub.
Da auch sie Verpflegung kaufen wollten, machten wir uns gemeinsam auf den Weg und deckten uns in einem Lawson mit verschiedenen Backwaren, Snacks und Getraenken ein.
Auf dem Rueckweg mussten wir uns dann doch noch ziemlich ins Zeug legen, um den Bus nicht zu verpassen, weil das Geschaeft einen fast 20minuetigen Fussmarsch entfernt lag.
So lagen wir wie die buchstaeblichen Sadinen in der der Dose. Zu meinem Pech lag neben mir ein alter Herr, der nachts laut schnarchte, sich umherwarf und meinen sowieso schon geringen Schlafplatz beanspruchen wollte. Ich musste ihn mir stets vom Leib halten, was alles andere als angenehm war, denn er roch etwas stark.
Als wir gerade Kyushu hinter uns gelassen hatten und Kurs auf Okinawa nehmen wollten, schlug das, sowieso schon unschoene Wetter um:
Hohe Wellen schuettelten uns ordentlich durch, normales Gehen an Bord war schon nicht mehr moeglich. Wir fuhren zwar noch ein bisschen weiter, aber angesichts der Gefahr drehten wir zu guter letzt um und ankerten in ruhigeren Gewaessern. Gegen Mittag war eine Weiterfahrt noch immer nicht moeglich. Deshalb wurde angekuendigt, das Schiff wuerde kurz in Kagoshima, einem Hafen in Kyushu anlegen. Alle die wollten, oder muessten, koennten dort aussteigen, alle Uebrigen sollen an Bord bleiben und "auf besseres Wetter" warten.
Leider gingen meine drei neuen Freunde von Bord. Fuer sie wuerde es sich nicht lohnen zu warten, da ihr Urlaub dafuer einfach zu kurz war. Stattdessen hatten sie sich spontan mit der Idee fuer eine Tour durch Kyushu angefreundet. (Ich hatte ihnen meinen Reisefuehrer geliehen, aus dem sie sich einige Informationen heraussuchen konnten).
Wir tauschten noch Adressen aus und ich verprach, ihnen allen eine Postkarte aus Okinawa zu schicken (wenn ich denn ankaeme). Zum Schluss gaben sie mir ihren restlichen Proviant als Abschiedsgeschenk: Wer weiss, wie viele Tage ich wuerde warten muessen? Sehr viel Bargeld hatte ich dank des teuren Ticktes auch nicht mehr uebrig und daher war ich froh, mir an Bord nicht allzuviel kaufen zu muessen. (Es gab nur ein paar Automaten, an denen man sich Fertiggerichte und Getraenke ziehen konnte und die waren natuerlich fast doppelt so teuer, wie auf dem Festland).
Nachdem alle ausgestiegen waren, fuehlte ich mich natuerlich zunaechst etwas einsam. Nun war ich der einzige Westler auf dem Schiff. Doch bald fand ich neuen Anschluss: Eine aufgeschlossene, japanische Familie aus Neuseeland war zu meinem Glueck auch an Bord. Da alle sehr gut Englisch sprachen, konnten wir zum Zeitvertreib viele interessante Gespraeche fuehren und sie erzaehlten mir viel von ihrem Land.
Neuseeland war schon damals in meine engere Wahl fuer den Auslandsaufenthalt gefallen und ich hatte beschlossen, naechstes Jahr zumindest einige Monate dort zu verbringen. Da hatte ich nun natuerlich dei beste Informationsquelle zur Hand und das nutzte ich auch aus.
Das Wetter war inzwischen nicht besser geworden und das aenderte sich auch in den folgenden Tagen nicht.
Sylvester feierten wir deshalb an Bord!
Ein ungewoehnlicheres Sylvester habe ich noch nie erlebt, aber lustig und ausgelassen war es trotzdem. Wir fuehlten uns bereits wie eine grosse Familie - schwierige Situationen schweissen Menschen ja stets zusammen.
Einer der Passagiere entkorkte sogar eine teure Sakeflasche, die er seinen Freunden auf Okinawa als So
uvenier hatte mitbringen wollen und teilte sie nun mit allen. Im Gegenzug bekam er Bier aus dem Automaten. Etwas anderes stand leider nicht zur Verfuegung, aber das war eigentlich keinem so wichtig. Jeder knapste auch etwas von seinem Proviant ab und damit fuellten wir einen ganzen Tisch...
Waehrend wir auf den Countdown warteten, blieben die Nachrichten im Fernsehen (das wir gluecklicherweise empfangen konnten) ueber die Wetterlage gleich: Schneestuerme - nun auch in Japan - legten Zuege, Flugzeuge und Schiffe lahm: Unsere Faehre war eine der letzten, die ueberhaupt ausgelaufen war, erfuhren wir nun. Menschen sassen an zugigen Bahnhoefen, Flughaefen und Terminals fest, ein Weiterkommen war derzeit unmoeglich.
Da hatte es uns in unserem schwimmenden Gemeinschaftsraum doch gar nicht so schlimm getroffen. Es war warm, wir hatten einen Platz zum Schlafen, genug zu Essen (wenn auch einseitig), konnten duschen (nun musste allerdings Wasser gespart werden, weshalb "Duschzeiten" eingefuehrt wurden) und nun sogar feiern!
Zudem hatte die Crew angekuendigt, auf jeden Fall zu warten, bis eine Ueberfahrt moeglich war, denn zu unserem Glueck befanden sich wichtige Handelsgueter an Bord, die benoetigt wurden.
Erst nach Neujahr besserte sich das Wetter und die Fahrt ging - nun reibungslos - weiter.
So kam ich am Abend des 2. Januars endlich auf Okinawa an.
Ich hatte mich schon in meinem Reisefuehrer informiert und war auf ein sympathisch klingendes Gasthaus gestossen, in dem ich logieren wollte und das ganz in der Naehe des Hafens lag.
Doch wie ich nun feststellen musste, gab es mehrere Haefen und derjenige, an dem wir einliefen, war fast am anderen Ende der Stadt!
Am Ausgang traf ich einen Herren, den ich fragte, ob es hier einen Bus oder eine Bahn ins Stadtzentrum gaebe. Er hatte leider auch keine Ahnung, warte aber gerade auf ein Taxi. Ich koenne gerne mit ihm mitfahren.
Erleichtert nahm ich sein Angebot an und waere schon froh gewesen, in belebtere Gebiete zu gelangen, aber der nette Mann liess das Taxi genau vor dem Gasthaus halten und lehnte sogar mein Geld ab... Wenn das nicht mal wieder ein guter Start war! :)
Auch meine Mitbewohner waren alle sehr nett und freundlich.
Sie halfen mir spaeter sogar dabei, ueber Internet einen billigen Flug nach Taiwan zu finden und begleiteten mich auch noch ins Reisebuero um ihn dort, nochmals verguenstigt, zu buchen.
Am 16. Maerz wuerde ich dort meine Freundin May, die ich bei meiner ersten Gastfamilie auf Hokkaido kennen gelernt hatte, besuchen. Diese hatte mir auch bereits einen Rueckflug nach Deutschland gesichert.
Da ich erst am 5. Januar bei meiner neuen Gastfamilie in der Naehe von Nago anfangen wuerde zu arbeiten, verbrachte ich noch zwei Tage in Okinawas Hauptstadt. Zu meiner Enttaeuschung war das Wetter leider gar nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte angenommen, hier Sonne und azurblauen Himmel vorzufinden, wie man es in allen Reiseprospekten vorgegaukelt bekommt, doch es war immerzu grau und bewoelkt oder regnete sogar. Immerhin war es warm, so liess sich auch das schlechte Wetter ertragen.
Allerdings machten auf diese Weise meine Entdeckungstouren und Spaziergaenge nur halb so viel Spass! Das alles waere im Sonnenschein um so vieles huebscher; Die steinernen Gaesschen, die Palmen, Statuen aus Ton, die niedlichen kleinen Haeuser mit den drolligen Daechern...
Besonders gut gefielen mir die vielen verschiedenen "Shiisa". Das sind Statuen, halb Hund, halb Loewe, die an allen Eingaengen postiert sind.
Einer davon hat hierbei den Mund geoeffnet, waehrend der des anderen geschlossen ist. Das hat auch seinen Grund, denn Ersterer macht dan Laut "Un" (was angeblich das erste Geraeusch bei unserer Geburt ist) und der Zweite "Ah" (das letzte Geraeusch, bevor wir sterben). Zusammen symbolisieren sie daher einen Kreislauf.
Okinawa ist auch fuer seine Glas- und Toepferwaren bekannt. In einer versteckten Gasse fand ich diese Laeden dicht an dicht und einige bieten wirklich so wunderschoene Sachen an, dass ich mich beim Einkauf ehrlich beherrschen musste!
Akihito-san war erst 30 Jahre alt und unterstuetzte meine Gastmutter Yaeko-san bei geschaeftlichen und organisatorischen Dingen. Sie besitzt mehrere Felder mit Gemuese, Zuckerrohr, Drachenfrucht und sogar einige Mangobaeume, die in Gewaechshaeusern stehen.
Die Mangos bringen ihr wohl den meissten Verdienst im Sommer, doch fuer den Rest des Jahres hat sie mir ihren verschiedenen Gemuesesorten, die sie auf dem Markt verkauft, sowie getrockneten Fruechten auch gut ausgesorgt.
Daher verbrachte ich 2 1/2 Monate in Yanbaru Kokaen.
Zu den täglichen Aufgaben gehörte das Ernten des Gemüses (ich war für den Rettich verantwortlich), das Waschen selbigens, sowie das letztendliche Abwiegen und Verpackens für den Markt. Dies wurde immer Vormittags erledigt.
Hier kommen noch ein paar Bilder, um euch einen Eindruck von meiner Zeit auf Okinawa zu vermitteln:
Ueber diesen Link gelangt ihr auch zur Homepage meiner Gastfamilie, die Posts schreiben die Wwoofer (ja, auch ich - zumindest habe ich es versucht!). Es ist nur auf Japanisch, aber auch hier gibt es zumindest ein paar Bilder zum Ansehen...
http://yanbaru-k.jp/hpgen/HPB/categories/526.html
Ich werde versuchen, diesen Post so bald als moeglich zu vervollstaendigen, aber noch weiss ich nicht, wann ich dazu komme. Vielleicht gelingt es mir in Taiwan, bei meiner Freundin...
Bei der aktuelle Sitation ist aber natuerlich noch nicht sicher, wie lange ich ueberhaupt dort bleiben kann.
Bis dahin schonmal vielen Dank an alle die mitgelesen und mich begleitet haben! Auch wenn das Jahr nicht sehr froehlich endet, habe ich doch viel erlebt und gesehen. Nun freue ich mich auf good old Germany...
Mata ne
Kira

Kiiiraa (:
AntwortenLöschenHallo :D
Konnichi wa,
watashi wa namae no Luvy desu =D
Du kennst mich nicht - aber mir wurde von dir erzählt =D Es wäre sooo toll, wenn du diesen Kommentar lesen würdest & mir vllt. eine E-Mail oder so schreiben könntest...
& zwar bin ich am Freitag mit deiner ehelamigen Ausbilderin(?) ins Gespräch gekommen - in der Handwerkskammer (: Leider kann ich mir ihren Namen nicht merken ;_; Jedenfalls hat sie begeistert von dir erzählt =D
Ich habe deinen ersten Blogeintrag hier gerade gelesen, von 2009 und muss sagen, mir gehts genau wie dir. Ich bin seid einiger Zeit am überlegen, auch für ein Weilchen ein Work & Travl Abenteuer zu starten =D In Japan :D Und vllt vorher noch ein paar Monate ein Shaolin Kloster in China zu besuchen (:
Es wäre so super, wenn du mir vllt. ein bisschen was darüber erzählen könntest, ich habe nämlich keeeeine Ahnung was da so alles auf mich zu kommt (:
Nyu, ich würde mich freuen wenn du das hier liest & mir vllt mal schreibst =D
Meine E-Mail Adresse wäre Sayuki1@gmx.net (keine Ahnung ob das hier angezeigt wird xD)
Liebe Grüße, Luvy
(btw. Ich finds super Klasse wie du deinen Traum durchziehst, bzw. verwirklichst *__* Ich erkläre mich hiermit zu deinem Fan :D)