Sonntag, 7. November 2010

Urlaub auf Amerikanisch - Toyama

In Takayama angekommen, teilte ich Mario-san (Nanakos Freundin) meinen Plan mit, versuchen zu wollen, nach Shirakawago zu trampen. Der Bus war doch recht teuer und bisher hatte ich damit ja immer Glueck gehabt. Sie meinte, dass ich gar keine schlechten Chancen haette, weil dieses Dorf sehr beruehmt ist und viele Leute dorthin fahren.

Allerdings war die Stadt selbst kein guter Startpunkt und so fuhr Mario-san mich ein paar Kilometer weiter, zu einer "michi no eki" - was uebersetzt so viel wie "Strassenbahnhof" heisst und nichts weiter ist, als eine Raststaette.
Dort half sie mir sogar, einen alten Pappkarton mit meinem Wunschziel auf Japanisch zu beschriften. So wuerde ich bestimmt jemanden finden, der mich mitnahm.
Zum Abschied kaufte sie mir ein paar Kekse und versprach, in zwei Stunden wieder vorbeizukommen um mich aufzulesen, falls ich keinen Erfolg gehabt haben sollte. Dann wuerde sie mich zum Bahnhof bringen, wo ich doch noch den Bus nach Shirakawago nehmen koennte.

So verabschiedeten wir uns und ich lenkte meine Schritte, das Pappschild unter dem einen Arm, erstmal Richtung Toilette.
Als ich die Kabine verliess, stand an den Waschbecken bei meinem Rucksack eine Dame, die offensichtlich auf mich wartete und fragte, ab dieses Gepaeck mir gehoere.
Ich befuerchtete schon, ich haette meine Sachen dort widerrechtlich abgestellt (obwohl ich keine Verbotsschilder sehen konnte, aber die Japaner sind in vielen Dingen etwas eigen) und wollte mich schon entschuldigen, als die Frau auf das Pappschild zeigte und sich erkundigte, ob ich dorthin wolle.
Ich bejahte, woraufhin sie davonwuselte, mir ungeduldig winkend, ich solle ihr folgen.
Im Gehen erzaehlte sie mir, sie und ihr Mann kaemen an Shirakawago vorbei und koennten mich dort absetzen.

Hat man von so unverschaemten Dusel schon gehoert? Waere ich aberglaeubisch, wuerde ich vermuten, dass dafuer das Pech eines Tages geballt ueber mich hereinbrechen muesse...

Wir quetschten also meinen dicken Rucksack in den Kofferraum und fuhren los. Unterwegs schrieb ich Mario-san noch eine kurze SMS, dass ich Erfolg gehabt habe und sie sich nicht weiter Sorgen muesse.
Die Fahrt verlief still. Das Ehepaar redete viel miteinander auf schnellem Japanisch und fragten mich kaum aus. Doch das war mir sehr recht. Ich war etwas muede und so konnte ich einfach aus dem Fenster gucken und die herbstlich-bunte Landschaft vorbeisausen sehen. Ein Auto war doch etwas Schoenes. Jedenfalls in manchen Situationen. Ansonsten bleibe ich meinem Rad treu.

Wir waren nach meinem Zeitgefuehl vielleicht gerade eine Dreiviertelstunde gefahren, da wiesen sie nach rechts, wo sich ein kleines Dorf malerisch in ein Tal schmiegte. Dort laege Shirakawago, erklaerten sie mir.
Ich konnte von hier noch kein einziges Strohdach erspaehen und dachte, ich haette mir das alles vielleicht falsch vorgestellt, doch als wir die kleine Dorfstrasse entlangfuhren, hoerten die Backstein- und Betonhaueser an einer Stelle urploetzlich auf und stattdessen erhoben sich strohgedeckte Huetten gen Himmel, der mit seiner azurblauen Farbe einen tollen Kontrast herstellte.

Diese, von der UNESCO als Weltkulturerbe erklaerten Huetten werden auch "gassho-zukuri" genannt, was soviel wie "betende Haeuser" bedeutet, da die Daecher wie zwei, zum Gebet aneinandergelegte Haende aussehen.

Hier verabschiedete ich mich von dem netten Ehepaar, das spontan beschlossen hatte, sich die Sache auch einmal anzusehen, wo sie schon einmal dort waren.
Ich suchte erstmal einen Supermarkt auf, um dort mein Schild in einem der Muelleimer loszwerden und mir etwas zu trinken zu kaufen.

Als ich das Geschaeft wieder verliess, traf ich an der Strasse ein Paerchen, die Taiwanesin Emily und den Muenchner Markus. Wir verstanden uns gleich gut und nachdem wir fuer Markus eine Post gefunden hatten, wo er Geld abheben konnte, schlenderten wir gemeinsam durch das Dorf.
Sie zeigten mir sogar ein Infobuero, wo man Busfahrkarten kaufen und sein Gepaeck einlagern konnte. Das tat ich auch sofort mit meinem schweren Rucksack.

So erleichtert fuehrten wir unseren kleinen Spaziergang fort, ich wurde sogar auf einen Kaffee eingeladen, bis es fuer die beiden Zeit war, ihr Gepaeck zu holen und sich zur Bushaltestelle zu begeben. Sie wollten die Nacht in einem anderen, kleineren Gassho-Zukuri-Dorf (Ainokura) verbringen, das von Touristen nicht so ueberlaufen war.

Auch ich hatte vorgehabt, in einer der beruehmten Huetten zu uebernachten und mich zuvor in der Touristeninformation nach einem freien Platz erkundigt, doch da genau an diesem Tag ein Festival stattfand, war alles schon lange ausgebucht. Die Dame musterte mich daraufhin abschaetzend und fragte, wie hoch mein Budget sei, fuer 30.000 Yen sei sicher noch etwas in einem der besseren Hotels zu finden. (Das entspricht in etwa 300 Euro!)
Nun, ich brauche hier niemandem etwas vorzumachen - mein Budget hatte unter diesen Umstaenden nicht einmal fuer eine Stunde in einem dieser Hotels gereicht.

So beschloss ich, die Nacht in den Bergen in meinem Zelt zu verbringen. Markus hatte mir erzaehlt, dass er mit Emily zu einem Aussichtspunkt gegangen war, der nur etwa 10 Minuten entfernt lag und dort gaebe es genug Moeglichkeiten unbehelligt zu campen.

Also machte ich mich auf den Weg, um mir die Sache anzusehen. Die Aussicht auf das Dorf war wirklich herrlich und runherum gab es viele Buesche, unter denen ich mein Zelt aufschlagen konnte.
S0 machte ich mir einen restlichen schoenen Tag im Dorf, kaufte ein Gastgeschenk fuer Kati und heisse Maissuppe in der Dose, Milchbroetchen, Mohrrueben und eine Flasche Wasser als Proviant.
Ich wurde nicht ins Tal zurueckkehren, da ich oben am Aussichtspunkt ein Schild zur Autobahn gesehen hatte, wo ich morgen zunaechst mein Glueck versuchen wollte, Richtung Toyama zu trampen.

Gegen halb sechs, als es langsam daemmerte, holte ich meinen Rucksack von der Information und stieg den Berg hinauf. Als ich mein Zelt aufgebaut und mein Abendbrot aus Maissuppe und Broetchen unter dem schoenen Ausblick verspeist hatte, war es schon ganz dunkel.
Nun schimmerten nur noch die entferten Lichter der erleuchteten Fenster und Shemen der Huetten zu mir hinauf, die von einem grossen Strahler sanft beleuchtet wurden. Ich fragte mich, ob man unter diesen Umstaenden eine gute Nacht dort unten verbringen konnte, mit dem Strahler, der heller schien als der Mond...

Oft hielten Autos und Menschen stiegen aus, die diese Szenerie ebenfalls geniessen wollten. Auch, als ich schon lange in meinem Schlafsack lag, hoerte ich dann und wann Autotueren knallen, Schritte auf knirschendem Kies, die an meinem Zelt vorbeikamen und ab und zu Geraschel im Gebuesch. Gedaempft erklang die Trommelmusik des Festivals sogar noch bis hierher und wiegte mich in den Schlaf. Dennoch konnte ich nicht wirklich tief schlafen, aber dafuer genoss ich am naechsten Morgen die frische Luft und den Sonnenaufgang ueber den Bergen umso mehr.

Ich fruehstueckte, packte in aller Ruhe meine Sachen und begab mich auf die kleine Strasse Richtung Autobahn.
An einer Abzweigung zoegerte ich. Ich zog meine Karte zu Rate, konnte aber nicht entscheiden, welcher Weg besser sei. Beide fuehrten zu unterschiedlichen Autobahnen und es gab leider keine direkte Verbindung nach Toyama. Ein Auto fuhr langsam an mir vorbei, bog in die rechte Strasse ein und als es schon fast ausser Sicht war, hielt es in einer Kurve an.
Ich sagte mir, wenn ich diese Strasse waehlte, haette ich vielleicht die Chance, dass mich der Fahrer moeglicherweise mitnahm... Und genau so war es. Als er sah, welchen Weg ich waehlte, stieg er aus und kam auf mich zu. Offensichtlich hatte er nur darauf gewartet, wie ich mich entscheiden wuerde.

Er war Rentner und wollte heute einen Ausflug in die Naehe von Kamikochi, nach Nagano machen. Wir luden gemeinsam meinen Rucksack in den Kofferraum und ich bedankte mich mehrmals. Ich war froh, dass ich mal wieder so einfach einen Lift gefunden hatte. Mir war momentan auch egal, wohin es ging. Zeit hatte ich genug - bei Kati hatte ich mich erst fuer morgen angemeldet und solange er mich in irgendeinem Ort ablud, wo ich eine Zug nehmen konnte, war es mir recht.

Wir fuhren die kleine, enge Bergstrasse entlang, die sich oft wand und links und rechts mit den herrlichen bunten Baeumen bewachsen war. Sonst gab es nichts. Nur Berge und Baeume fuer mindestens eine Stunde! Da waere ich schoen gewandert mit meinem schweren Rucksack!

Doch auf diese Weise konnte ich diese wunderschoene Landschaft geniessen. Mein Sankt Martin war auch ein freundlicher, unterhaltsamer Genosse.

Er war etwas betruebt, dass er mir nicht sehr weit helfen konnte, denn nach dieser Bergstrasse musste ich nach Westen und er gen Norden, nach Nagano. Er redete sehr schnelles Japanisch und es war fuer mich wirklich anstrengend ihm zu folgen und alles zu verstehen.
Aber die Muehe lohnte sich, denn er fragte mich, ob ich heute noch etwas vorhabe, und nachdem ich verneinte, lud er mich ein, mit ihm den Ausflug nach Nagano zu machen. Gluecklich sagte ich zu, denn als ich damals bei Kazuko-san gearbeitet hatte, wollte ich unbedingt in die Berge nach Kamikochi und dass mir das nun wider Erwarten doch vergoennt war, sah ich als wahres Geschenk.

Wir fuhren eine ganze Weile durch laendliche Gegenden, ab und zu musste sich auch mein Ojiisan nach dem Weg erkundigen, trotz neustem Navigationssystem.

Schliesslich waehlte er eine kleine Strasse und wir fanden uns inmitten eines Gebirges wieder.
Hier gab es sogar eine Seilbahn, mit der man fahren konnte. Er war ganz versessen darauf, sie mir zu zeigen und so warteten wir einige Minuten, bis sie sich in der Ferne in unser Blickfeld schob.
Wir standen auf einer Art Plateau und er erklaerte mir, dass das eigentlich ein Hubschrauberlandeplatz war.

Von hier bot sich eine besonders schoene Aussicht!

Als wir uns nach etwa einer halben Stunde auf den Weg zurueck zum Auto machten, fragte Ojiisan mich, wie mein Verhaeltnis zu Onsen stuende und war hocherfreut, als ich erzaehlte, ich moege sie dermassen gern, dass ich am liebsten einen davon nach Stuttgart importieren wuerde!
Er wollte mir gerne eine sehr beruehmte heisse Quelle zeigen, die ganz in der Naehe war.
Und dann lud er mich dorthin ein!
Spaeter, als wir uns sauber und erhitzt im Warteraum wieder trafen, wollte er gern noch etwas essen, bevor es weiterging. Und auch hier war ich machtlos gegen seine Grosszuegigkeit, denn fuer ihn stand es ausser Frage, dass er mich auch noch zum Essen einlud! Es gab Udon mit dicken Nudeln und schmeckte herrlich...

Nach diesem magenwaermenden Mahl brachen wir auf. Ojiisan wollte mich an einer michi no eki absetzen, da ich von dort mehr Erfolg haette, ein Auto nach Toyama zu finden. Er wohnte naemlich in Nagoya und das lag an der Ostkueste - also genau entgegengesetzt von meinem Zielort.
Doch die erste Raststaette kam und ging, ohne dass er auch nur die Geschwindigkeit aenderte. Auf meinen fragenden Blick hin meinte er nur, etwas weiter sei eine andere, die geschickter laege.
Allerdings stellte sich das "etwas weiter" als gute 15 Kilometer heraus.
Aber auch hier hielt er nicht und als ich ihn, nun wirklich verwundert fragte, warum er weiterfuehre, da erklaerte er mir, nicht alle Menschen seien nett und er wuerde sich einfach Sorgen um mich machen und daher lieber direkt nach Toyama bringen!
Natuerlich versuchte ich, ihm das auszureden, doch es war vergebens. Ihm mache das Autofahren ohnehin Spass, deshalb solle ich mir keinen Kopf machen...

Das sagt sich so leicht. Immerhin brachte ich ihn um einen erholsamen Tag.
Als wir in Toyama ankamen, sah er auch wirklich muede aus und ich wollte ihn gern auf einen Kaffee einladen, doch den schlug er einfach aus! Nachdem ich meine Sachen ausgeladen hatte, verabschiedete er sich auch gleich von mir und brauste winkend davon.
Ich stand, von meinem Dusel noch immer etwas ueberrumpelt, am Strassenrand und musste mich erstmal sortieren. Eigentlich hatte ich ja erst am naechsten Tag hier ankommen wollen...

So setzte ich mich erstmal bei einem Springbrunnen auf eine Bank und uebelegte. Zwar war es unwahrscheinlich, dass Kati meine Nachricht rechtzeitig lesen wuerde, aber ich schrieb ihr von meinem Handy aus trotzdem erst einmal eine E-mail, erklaerte die Situation und bat sich, mich schon heute Nacht bei sich aufzunehmen. (Ich traute mich nicht, sie anzurufen, weil sie um diese Zeit vielleicht gerade arbeitete. Sie unterrichtet Englisch und mitten in ihrer Stunde anzurufen war bestimmt nicht gern gesehen)
Dann machte ich mich auf den Weg zum Bahnhofsgebaeude, denn dort konnte ich mich schonmal nach guenstigen Unterkuenften und einem Internetcafe erkundigen. Ein Businesshotel gab es in der Naehe fuer 1.900 Yen und Internetzugang sogar sehr guenstig direkt im zweiten Stock des Bahnhofs.

Also erkundigte ich mich zunaechst in dem Hotel nach freien Zimmern. Doch auch hier war aufgrund eines Festivals alles ausgebucht. Dann stand es wohl mit den anderen billigen Unterkuenften aehnlich.
Deshalb suchte ich am Bahnhofs-PC nach Internetcafes in der Naehe. Dann wuerde ich die eine Nacht eben dort verbringen. Das war auch weitaus flexibler, falls Kati mich doch noch kontaktieren sollte. Ich hatte auch Erfolg und fand eines, keine zwei Strassen weiter.

Ich schulterte wieder meinen Rucksack und machte mich auf den Weg um herauszufinden, ob man dort schlafen konnte. (Ist zwar normalerweise so, aber man kann nie wissen...)
Als ich an der Kreuzung ankam, wo es haette sein sollen und ich mich gerade bei einem netten Restaurantbesitzer danach erkundigte, hoerte ich auf einmal hinter mir jemanden meinen Namen rufen.

Es war Kati!
Sie kam auf mich zugeradelt und laechelte.
Was fuer ein Zufall aber auch! Sie hatte meine E-mail natuerlich noch nicht gelesen, war aber gerade auf dem Heimweg von einem Arztbesuch.
Gluecklicherweise war es auch kein Problem fuer sie, mich schon heute Nacht zu beherbergen. Im Gegenteil. Ihr Freund war zur Zeit auf Geschaeftsreise in China und sie langweile sich zu Tode.
Sie lachte nur ueber meine "unangemessene Ruecksichtsnahme", wie sie es ausdrueckte.

Ihr Appartement war auch gar nicht weit entfernt. Nach nur 10 Minuten standen wir schon davor und sie erklaerte mir die PIN-Nummer fuer den automatischen Tueroeffner.
Die Wohnung war ein wenig kleiner als die von Claus, aber definitiv groesser als Lottis. Es gab ein relativ grosses Badezimmer, die Kuechenzeile befand sich nicht eingeklemmt im Flur, sondern in einem kleinen Vorzimmer und das Schlaf- oder Wohnzimmer liess sich mit Faltwaenden abtrennen. Dort passten leicht vier Matratzen nebeneinander und ich bekam auch sofort meine eigene Ecke. Kati stellte mir sogar einen kleinen Tisch hinein, worunter und worauf ich meine Sachen unterbringen konnte.

Die folgenen Tage waren sehr erholsam. Ich tat nicht besonders viel. Da Kati meisstens von Nachmittags bis Abends arbeitete, standen wir erst spaet auf, fruehstueckten, gingen einkaufen, kochten gemeinsam Mittagessen, redeten und alberten viel herum und manchmal kamen ihre Freundinnen zu Besuch.
Ihre beste Freundin kannte sie schon ihr ganzes Leben. Jules war auch Amerikanerin und wohnte im selben Gebaeude. Auch ihr Freund hauste nur zwei Stockwerke ueber ihr.
Das war natuerlich sehr praktisch fuer Kati. So war sie zumindest nie alleine.

Sie unterrichtete mich auch in Amerikanischer Kueche. So durfte ich Pancakes mit Ahornsirup, Oatmeal (In Wasser gekochte Haferflocken mit Rosinen) und diverse Smoothis aus Fruechten, Milch, Haferflocken, Erdnussbutter u. v. m. kosten. Allerdings stellte ich fest, dass ich Erdnussbutter ueberhaupt nichts abgewinnen kann!

Ab und zu unternahmen wir auch Ausfluege.
In Toyama gibt es viele schoene Orte und ein paar interessante Museen, die ich erkundete, wenn Kati gerade arbeitete.

Einer meiner Lieblingsplaetze wurde der "Berg der 1.000 Buddhas". Der Name an sich erklaert schon ziemlich gut, worum es sich dabei handelte.
Unendlich viele Steinfiguren reihten sich dicht an dicht den Huegel hinauf und dazwischen gab es eine ausgetretene Steintreppe, die man bis zum Gipfel erklimmen konnte.
Von dort aus hatte man eine tolle Sicht auf die Stadt. Leider gefiel das scheinbar auch den Muecken sehr gut, denn lange konnten wir dort nicht verweilen, ohne aufgefressen zu werden. Dabei war es schon Ende Oktober!

Am Wochenende hatte Kati frei und so machten wir alle zusammen einen Ausflug nach Kurobe.
Das ist eine huebsche kleine Stadt in den Alpen, inmitten unberuehrter Natur an einem grossen Fluss.

Hier konnte ich auch meine ersten Japanmakaken hautnah sehen - und natuerlich fotografieren! Ich hatte schon bei Nanako einen dieser rotgesichtigen Affen gesehen, aber nur vom Auto aus, wie er auf einem Baum sass.
Hier sassen sie auf der Strasse! Und auf den Gleisen der kleinen Gebirgsbahn, mit der wir spaeter weiterfahren wuerden.
Sie wanderten ganz gemaechlich herum, als wuessten sie, dass man ihnen hier nichts antun wuerde. Das war wirklich um einiges beeindruckender als im Zoo.










Die Einwohner schienen das gewohnt zu sein, denn sie beachteten die Affen kaum. Fast so, als handele es sich um streunende Katzen...

Leider kamen bald noch mehr Touristen hinzu und das wurde den Tieren dann wohl doch ein wenig zu viel und sie verzogen sich hinter eine Absperrung des Bahnhofs.

Also liessen wir sie in Ruhe und gingen unsere Fahrkarten fuer die kleine Gebirgsbahn kaufen.
Wir entschieden uns fuer die offene Variante, die nur ein Dach, aber keine Waende hat, denn es war zwar bewoelkt, regnete aber nicht.
Wir fuhren am Grat einer tiefen Schlucht entlang, die der Fluss geschaffen hatte und sich dort breit und von tuerkies-blauer Farbe noch immer entlangwaelzte.
Einen Staudamm gab es auch zu bewundern und viele kleine und grosse rote Bruecken, die sich ueber die Schlucht spannten.

Wir stiegen an einem kleinen Bahnhof aus, wo das Bahnhofsgebaeude und ein Restaurant die einzigen Gebaeude waren, und gingen zum Fluss hinunter. Reissend bahnte er sich seinen Weg, machte aber troztdem kaum Laerm dabei.
Wir wollten in einen Onsen gehen, den es hier geben sollte, aber wir hatten das wohl ein bisschen falsch verstanden, denn es handelte sich dabei um keinen, wie ich sie bisher kennen gelernt hatte.
Am Rand des Flusses, wo eine Menge Geroell und riesige Steine lagen, bildeten diese natuerliche Becken im Boden, in denen sich Wasser gesammelt hatte. Doch kein Flusswasser, denn diese kleinen Lachen waren richtig heiss und Dampf stieg in die kalte feuchte Luft...

Wir planschten mit den Fuessen in den Becken, bauten Sandburgen, liessen Steine huepfen und kletterten ueber die Felsen am Ufer entlang. Es war ein schoener Nachmittag und wir gingen erst, als es leicht zu nieseln anfing.

Ausserdem hatten wir uns beim Verlassen des Bahnhofs fuer einen bestimmten Zug zurueck anmelden muessen und dieser wuerde auch demnaechst fahren.
Die Rueckfahrt war nicht mehr sehr angenehm. Bis auf unsere Fuesse waren wir ziemlich unterkuehlt und der Fahrtwind blies uns frisch und tropfengeschwaengert entgegen. Doch das konnte unsere Stimmung nicht trueben, hatten wir doch einen schoenen Tag gehabt!



Auf diese Weise verging mein Urlaub in Toyama wie im Flug. Zumal ich jeden Tag Katis Laptop zur Verfuegung hatte und dieses sogar ueber Internet verfuegte. Endlich konnte ich mal wieder nach Herzenslust viele Stunden am PC verbringen, Filme auf YouTube sehen, Onlinebuecher lesen (obwohl es sogar eine Buecherrei direkt gegenueber mit einer kleinen Englischen Abteilung gab) und mit meiner Familie skypen!

Das Essen war natuerlich auch ausnahmslos westlich: Toast mit Marmelade, Haferflocken, Spaghetti in allen Variationen und das Wichtigste: Schwarztee mit Milch! Das vermisste ich ganz besonders! Misosuppe zum Fruehstueck war zwar auch nicht uebel, aber gegen meinen gewohnten Schwarztee kam einfach nichts an und ich konnte ihn sogar Kati schmackhaft machen, die sonst nur Kaffee trank.

Allzu bald war diese herrliche faule Zeit leider vorbei und der Tag der Abreise naehrte sich. Aber irgendwie freute ich mich auch schon wieder darauf, etwas Neues zu sehen und wieder etwas Sinnvolles zu tun. Zum Abschalten war der Urlaub genau richtig gewesen, aber mein Auslandsjahr wollte ich hauptsaechlich schon etwas Erlebnisreicher gestalten...

Kati stand mit mir am Morgen frueh auf und begleitete mich noch bis zum Bahnhof. Dann verabschiedeten wir uns, ich versprach zu schreiben und machte mich schliesslich auf den Weg zum Zug Richtung Gifu. Diesmal ging es allerdings nicht nach Gero, sondern nach Kashimo, ein Ort etwas weiter oestlich. Ich hatte diese Familie mit zwei kleinen Jungs bereits bei Nanako-san angeschrieben und die Zeit dort versprach sehr interessant zu werden. Ich war schon gespannt, was mich wohl erwartete...

Mata ne
Kira

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